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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Galizien und motivierten es mit den besonderen Ansprüchen, die an dieses Land— vielleicht schon in naher Zukunft— gestellt werden dürften. Die Ukrainer, unter Führung Dr. Levickys und Baron WassÜkos, die ihre Klagen als bedrückte Nationalität darlegten imd die endliche Errichtung einer ruthenischen Universität in Lemberg als nicht mehr länger hinauszuschiebende pia desideria bezeichneten. Dagegen stemmten sich allerdings die Polen aus dem prinzipiellen Grunde, weil sie den Charakter Lembergs als galizisch-polnische Ivandeshauptstadt strengstens gewahrt sehen wollten. Besonders die Gruppe der Allpolen wollte davon nichts wissen. Diese Gruppe, mit dem Grafen Skarbek an der Spitze, ging sogar so weit, sich mit den russischen Partisanen, also mit der extremrussophilen Partei Markow zu verbinden, um die Ukrainer an die Wand zu drücken. Markow und seine Partei handelten offensichthch nach russischem Diktat, be- kämpften mit allen Mitteln die Zugehörigkeit zu Österreich und die ukrainischen Aspirationen. Überdies wurde von der russischen Re- gierung, wenngleich auf inoffiziellem Wege, die Errichtung einer ru- thenischen Universität als Akt der Unfreundlichkeit hingestellt. Diese kompHzierten Fragen, die eventuell zu Verwicklungen führen konnten, vermochte ich natürlich vom Ressortstandpunkt aus nicht zu beantworten, doch versprach ich, daß ich darüber mit den kom- petenten obersten Faktoren eingehend konferieren wolle. Und es kamen auch die Tschechen, vertreten durch den Bürger- meister von Prag, Dr. Gros, und durch die Parteiführer Udrial imd Kramaf. Nationale Anliegen, als Endgedanke ein deutsch-tschechi- scher, beziehungsweise österreichisch-tschechischer Ausgleich, dem österreichisch-magyarischen Ausgleichvom Jahre 1867 ähnelnd. Dem- nach: Fundamentalartikel^ Krönung, böhmisches Staatsrecht. In dieser Form wohl nicht vorgebracht, doch so empfimden. ,,Es trennt uns nur eine papierdünne Wand, und wenn einmal alles geregelt ist, wird man staimen, welcher Lappalien wegen wir Jahrzehnte lang miteinander gestritten haben!" Dies waren fast wortwörthch die Äußerungen eines beredten großen Parteiführers. Damals war es ihm wohl weder um die AngUederung der Länder der Wenzelskrone an Rußland, noch um eine vollständige staathche Selbständigkeit dieser Länder zu tun. Wohl dürfte ihm die Rolle eines Andrassy- Deak für Böhmen vorgeschwebt haben, was allerdings nur im engen Anschluß Österreich-Ungarns an Rußland, bei teüweiser Absage an Deutschland zu erreichen gewesen wäre. Also eine Art Rückver- sicherungs-Vertrag gleich jenem Bismarcks vom Jahre 1887. Von einer Dreikaiser-Allianz redivivus, daran Franz Ferdinand längere Zeit gedacht, wäre da kaum etwas zu erwarten gewesen, zumal da 13 Auffenberg I93
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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