Page - 195 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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deutung. Für die Kriegsverwaltung ebenfalls ein Politikum, um bei
dem ewigen Elräftespiel ein Pfand in der Hand zu haben. Nicht
minder war es eine militärische Angelegenheit. Über die schließliche
Finalisierung will ich später berichten.
Durch den Umstand, daß ich in alle die Monarchie betreffenden
Angelegenheiten hineingezogen wurde, vergrößerte sich mein Einfluß
zusehends. Gleichwohl trug er schon den Todeskeim in sich, da mir
die Gimst des Monarchen fehlte, ein für unsere Verhältnisse aus-
schlaggebendes Moment. All meine Erfolge und meine getreuesten
Bemühungen konnten daran nichts ändern. Nie fand ein anerken-
nendes Wort des Kaisers den Weg zu mir und sollte ihn auch später-
hin nicht finden. Nur die Ungnade hielt mit meinen Bestrebungen
Schritt, imd das kaiserliche Mißtrauen blieb mir mit rührender Kon-
sequenzerhalten, w'ofür die KamarillamitBedachtundEifer sorgte.—
Ich wollte nun eine gründliche Reform des Verw'altungsapparates
des Kriegsministeriums, ja der ganzen Armee, vornehmen, da ich
mir bewußt war, daß wir im Verwaltungsdienst erstickten. Nach-
forschungen, die ich als komm.andierender General in Bosnien hatte
erheben lassen, brachten das überraschende Resultat, daß im Durch-
schnitt auf jedes Bataillon drei Verwaltungsorgane kamen, abgesehen
von den vier Rechnungsunteroffizieren der Kompanien. Das Kriegs-
ministerium mit seinen Abteilungen und Dependancen hatte einen
Status von etwa looo Personen, wobei mit der Anzahl der Schreib-
kräfte auch progressiv die Schreibgeschäfte wuchsen. Ich fand, daß
der ganze Verwaltungsaufbau, selbst die Verwaltungsgrundsätze ver-
altet seien und von Organen geleitet wurden, die nach Veranlagung
und Werdegang zwar den relativ einfachen Anforderungen des Frie-
densdienstes gewachsen waren, im Kriege aber w'ahrscheinlich ver-
sagen würden. Wie sollten auchMänner, die immer nur in kleinlichen
Verhältnissen, oftnurimRechnungsdienstarbeiteten,vongroßenwirt-
schaftlichen Dingen aber kaum eine Ahnung hatten, plötzhch herein-
brechenden Anforderungen größten Stiles genügen? Kann doch ein
kleiner braver I^andwirt auch nicht von heute auf morgen die Ap-
provisionierung einer ganzen Stadt übernehmen!— Bei den zivüen
Verwaltimgsämtem konnte ich mir wenig Belehrimg holen, da diese
fast noch schwerfälliger, jedenfalls aber langsamer arbeiteten, als die
militärischen. Und auch die Anpassungsfähigkeit an große Verhält-
nisse war dort nicht leicht zu finden. So dachte ich an die großen
industriellen Etablissements, an Gewerkschaften, Großfabriksbetriebe
und ähnliche Institutionen. Mit diesen wollte ich in Kontakt treten,
wollte besondere Kräfte an leitende Stellung herüberziehen, die den
Verwaltungsdienst auf eine moderne Basis brächten. Mir schwebte
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918