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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Verhältnis bedingt. Mau mußte unausgesetzt auf die Empfindungs- welt Italiens Rücksicht nehmen, was von seiner Seite stets mit un- verhüllter Rücksichtslosigkeit erwidert wurde. Von Tirol reisten wir zu den Manövern in Südungarn in der Gegend von Mezö-Hegyes, woselbst auch das Quartier der Manöverleitung, sowie die Manövergäste etabliert waren. Unter letzteren befand sich der rumänische Generalstabschef, General Avarescu. Ich unterhielt mich auf das angeregteste mit diesem feingebildeten Mann. Damals dachte wohl niemand, daß er vier Jahre später seine strategischen Talente gegen uns und unsere Verbündeten werde verwerten müssen. Avarescu schien damals wirklich Österreich freundlich, denn er zählte zu den unbedingten Anhängern des Königs Carol. Tatsächlich war ihm dann nach all den Mißerfolgen der rumänischen Armee der Erfolg bei Marasesti beschieden. Die Manöver fanden in einem wogenden Maismeer statt. Absicht- lich so gewählt,um Verhältnisse darzustellen, wie sie in der serbischen Maöva zu finden sind und wohl auch der oberitalienischen Kultur ähneln. Es ging kunterbimt zu. Namentlich die Kavallerie, die sich um keinen Preis in neue Verhältnisse finden wollte, verursachte mit ihren Kolonnenmärschen und Attacken einen enormen Feldschaden, ohne taktischen Nutzen zu schaffen. Wahrscheinlich hätte man ihr damals ein großangelegtes Feuergefecht nicht einmal gut an- gerechnet. Am vorletzten Tag, wir saßen just beim Speisen, langte ein Tele- gramm ein, demnach für die Finalisierung des neuen Wehrgesetzes eine Reihe hoher Auszeichnungen niederströmte. Generaladjutant Baron Bolfras erhielt das Großkreuz des Stefansordens. Mein Vor- gänger Baron Schönaich, auf dessen Brust schon sämtliche Groß- kreuze prangten, wurde in einer Privataudienz der besonderen An- erkennung versichert. Die I^andesverteidigungsminister Georgi und Hazay bekamen die Baronie, Abteilungschefs in den Ministerien hohe Dekorationen. Beide Ministerpräsidenten, sowie Tisza gleichfalls das Großkreuz des Stefansordens. — Nur ich, der die Resolutionskam- pagne durchgekämpft hatte, um die Reservatrechte der Krone zu retten, der die Unteroffiziersfrage geregelt hatte, ohne welche die Einführimg der zweijährigen Dienstzeit eine problematische riskierte Sache gewesen wäre,— ich wurde ostentativ übergangen, nachdem schon drei Wochen vorher die alljährHch vor Kaisers Geburtstag herausgegebene Liste von Auszeichnungen unmittelbar vor mir ab- geschnitten hatte. Eine derartige kaiserliche Ungnade mußte selbst mich, derichallenÄußerlichkeitenskeptischgegenüberstand, schmerz- lich, ja fast beschämend berühren. Es war ein Schlag ins Gesicht 201
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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