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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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schon verhandelt worden waren, konnte ich der neuen Session ruhig entgegenbHcken. Trotzdem war ich gespannt, welchen Widerhall die immer drohenderen äußern Verhältnisse in der Delegation finden würden, undich notierte meineEindrückeundGedanken auf flüchtige Tagebuchblätter. Wenngleich die Ereignisse dann nicht himmel- stürmend wurden, danke ich diesen Notizen dennoch, daß sie jene Zeit festgehalten, denn sie dienten mir drei Jahre später, in den furchtbarsten Stunden meines Lebens, gewissermaßen als Entlastungs- zeugen. — Zur Orientierung meiner Leser sei erwähnt, daß die andauernden Erfolge der christlichenBalkanstaaten unser ÄußeresAmt, beziehungs- weise die Krone, bestimmten, diese Erfolge anzuerkennen, d. h daß man sich entschloß, jene Staaten die daraus erwachsenden Kon- sequenzen ziehen zu lassen. Andererseits war die Schaffung eines Fürstentums Albanien zum Beschlüsse erhoben worden, wenngleich über dessen Umfang und Ausgestaltung noch die größte Unklarheit herrschte. Man wußte auch gar nicht, ob Skutari, das zu jener Zeit noch nicht erobert war, dazugehören würde oder nicht. Immerhin erschien es höchst dringend und notwendig, daß der Minister des Äußern sich mit der Erklärung dieser Beschlüsse beeile, damit nicht etwa ein Staat der Gegengruppe— Rußland oder Frankreich— sie zuerst auf sein Panier schreibe. Es bezweifelte auch niemand, daß Graf Berchtold sofort eine Emanation würde verlauten lassen. Im Nachfolgenden lasse ich Auszüge meiner Tagesnotizen sprechen. Sie bringen vielleicht Interessantes und einen Einblick in das Ge- triebe, darin die Ministertätigkeit sich zu jener Zeit bewegte. „5. November. Tag so unfreundlich wie Situation. Parlament mit doppeltem Kordon umgeben, doch kein Publikum zur Stelle. Eisige Ruhe. Persönlicher Empfang sehr freundlich. Man verspricht sich baldige Erledigung. Nachmittag, Expose Berchtold. Zwei Schritte vor, einer zurück. Ganz unsere Methode. Ich bin der Ansicht, die fortwährenden Siege der Balkanstaaten zu liquidieren, da man die Türken nicht gestützt hat. Kann mich andererseits für die albanische Idee nicht erwärmen. Ja, wenn wir Albanien bis inklusive des Sand- zaks heranführen könnten ! Abend Souper mit den Herren der ]\Iunka- partei (Regierungspartei). Lange Konversation mit Khuen und Tisza. Wenn man so plaudert, glaubt man nur Freunde zu haben. Leider ist's nicht so! Mir gegenüber sitzt Smrecsany mit einigen Volks- parteilern. Grüßen freimdlichst herüber. Der reine Honig. Der Essig kommt später! 6. November. Fortsetzung des Budgets des Äußern. Ich denke, man sollte ganze Maßnahmen ergreifen, eventuell Serbien ans Meer 213
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
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