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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ich besprach das Verhalten gegen meine Person mit Conrad, der mir den Vorschlag machte, er würde mit Franz Ferdinand sprechen und mir dann reinen Wein einschenken. Darauf ging ich aber nicht ein. Es war doch höchst wahrscheinlich, daß der Erzherzog eine Antwort erteilen würde, daraus ich sofort die Konsequenzen hätte ziehen müssen. Dies wollte ich aber auf keinen Fall. Die ganze Welt hätte dann supponiert, Manöverscheu treibe mich zu diesem spon- tanen Rückzug. Dem war aber wahrhaftig nicht so. Wohl fühlte, ja wußte ich es, daßman alles daran setzen würde,um mich zujähem Fall zu bringen. Die höheren Generalstabsoffiziere, besonders die des operativen Büros, sprachen ganz offen darüber, wie etwa von einer zu gewärtigenden heiteren Novität. Und wie leicht man einem miß- liebigen Führer im Manöver das Bein stellte, war mir wohlbekannt. Doch trotzdem, ich wollte durchhalten! Ich fühlte mich nicht nur meinem Gegner, sondern auch der ganzen Clique durchaus gewachsen. Und schließlich war scheues Zurückweichen nie meine Art gewesen. So ließ ich es darauf ankommen, wohl wissend, daß ein Malheur mir sofort den ,,blauen Bogen" eintragen, ein ,,Gleich-auf-gleich-bleiben" diesen Moment nm: wenig verzögern würde, und nur ein eklatanter Erfolg mich wieder in den Sattel heben könnte. Darauf hoffte ich und fuhr guten Mutes mit meinem Stab nach Budweis, dem Haupt- quartier der 4.— roten— Armee. Dieselbe zählte gleich jener des Gegners 60 Bataillone, 36 Eska- dronen und 40 Batterien imd war in 5 Infanterie- und eine Kaval- leriedivision gegliedert. In Budweis wohnte ich auf das angenehmste in der Vüla des gast- freundlichen Fabrikanten von Hardtmuth. Von einerRekognoszierungstour zurückgekehrt, fand ich dieDetail- bestimmungen für die Ausgangssituation und die Supposition. Ich mußte zunächst lächeln. Die Ungleichheit in Verteilung von laicht und Schatten war doch etwas allzu grell ausgefallen. Der Gegner schon völlig zu umfassendem Angriff gruppiert, mit seinen fünfDivi- sionenhalbbogenförmig inDivisionsmarschkolonnen auf gleicherHöhe, imd die Kavalleriedivision zum Aufklärungs- imd Verschleierungs- dienst vorausgestellt. Dagegen meine Armee in zwei Gruppen auf 40km hintereinander gestaffelt, die Kavalleriedivision weit rechts auswärts in einfürKavalleriemassen—nachdamaligenAnschauungen — recht ungünstiges Terrain verlegt. Ich erkannte, daß ich nicht den geringsten Manöverechec erleiden dürfe, zumal die Ausgangs- situation so ,,kunstvoll" arrangiert war, daß meine vordere Gruppe kaum noch einen freien Rückzug gehabt hätte, meine Gegner aber möglicherweise ein Sedan erhoffen konnten. Auf diese Erkenntrüs 244
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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