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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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meinen linken Flügel aufzuhalten, doch gelang es im übersichtlichen Terrain nicht. Dagegen vollführte meine Kavalleriedivision ihren Auftrag aufs beste, so daß die gegnerische Flügelkolonne durch die fortwährenden Auf- und Abmärsche im kupierten Terrain derart er- müdet wurde, daß sie bald nach i Uhr in eine Raststellung über- gehen mußte. Höchst sachgemäß beließ die Kavalleriedivision der gegnerischen Kolonne nur die zwei Bataillone gegenüber und griff mit der Hauptkraft in den Kampf ein, zu dem meine 3. Infanterie- division das feindliche XVIII. Korps gezwungen hatte, so daß es dem schwerbedrängten feindlichen IX. Korps keine Hilfe bringen konnte. In den Mittagsstunden war ich mir nach den vielen einlaufenden Meldungen bewußt, daß alle meine Anordnungen in richtiger Aus- führung stünden. Und da alles eingesetzt war, fuhr ich aufs Gefechts- feld, zum Standpunkt des VIII. Korps, der hochgelegenen Kirche von Kosteletz. DerAnblick, der sich mir von da aus bot, war schön, fast überwältigend. Überall, soweit das Auge reichte, sah man die geschlossenen, tiefgegliederten Linien der ,, Partei rot" avancieren, von langen Batteriefronten gestützt. Und von allen Punkten zogen sich die gegnerischen ,,Blauen" zurück, so wie ich's erreichen wollte: in nordöstlicher und selbst östlicher Richtung, wodurch sie außer Kontakt mit ihrer (supponierten) Hauptarmee und in eine taktisch ungünstige Situation gedrängt wurden. Ich gestehe, es war einer der erhebendsten Momente meines Lebens, denn ich empfand die Genug- tuung, daß nun der Anschlag auf mich vollkommen mißlungen war, und daß ich aus eigener Kraft aus der Tiefe zur Höhe geschnellt sei. Doch nur durch solch unzweifelhaften Erfolg war der Umschwung möglich geworden. Bis 4 Uhr nachmittag— um diese Stunde wurde die Übung ab- gebrochen—war dieVerfolgung bereits aufderganzen LinieimGange. Ich fuhr zur Übungsleitung, die sich auf einer dominierenden Höhe bei Chotiwin befand. Auf der Fahrt dahin erblickte ich den größten Teil meiner Regimenter, noch gefechtsmäßig gegliedert, und im Salut, den sie leisteten, lag etwas wie eine Anerkennung für ihren führenden General. Auf jener Höhe war eine höchst illustre Gesellschaft versammelt: der Thronfolger mit dem Stab der Übungsleitung, Erzherzog Leo- pold Salvator, der künftige erlauchte Großfeldherr, Erzherzog Friedrich, Armeeinspektoren imd andere hohe Generale. Natürlich auch die holde Weiblichkeit: die Herzogin von Hohenberg, die Töchter des Erzherzogs Leopold Salvator und viele Hochtorys des Landes. 246
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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