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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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entgegen, denn ein abermaliges Brüskieren hätte zweifelsohne Kon- sequenzen nach sich gezogen. Er saß, flankiert vom französischen und russischen Kollegen, blaß zu Pferde und— uns allen fiel em Steinvom Herzen, als der Erzherzog auch ihn mit einem Handschlag begrüßte. Es ist wohl selbstverständlich, daß ich mit dem Verlauf der Ma- növer befriedigt war, doch drolligerweise war's auch die Bevölkerung von Tabor, die in mir eine Art Beschützer sah. Die alte historische Stadt gefiel mir übrigens ausnehmend gut. Behörden und Bewohner waren von größtem Entgegenkommen. Auch einige tschechische Ab- geordnete suchten mich auf, davon ich etliche von den Delegationen her kannte. Unter andern der damalige Vizepräsident des Reichs- tages Herr von Zazvörka, Sie versicherten mich ihres unbedingten Vertrauens, und ich verließ den hübschen Ort und meine liebens- wüdigen Hausherren mit Bedauern. An einem herrlichen Herbsttag, im bequemen Auto, bei bester Laune fuhr ich heim. Es war schon Abend, als ich die Franz-Josefs-Brücke in Wien passierte. Ein Jahr später fuhr ich, zur gleichen Stunde, über die gleiche Brücke, im gleichen Auto als Sieger in einer großen Schlacht und doch als Be- siegter im Leben durch die Laune und Machtfülle des eigenen prinzlichen Oberbefehlshabers. Solch reichen Wechsel zeitigte mein Schicksal, und als geschickter Impresario knüpfte es oft die ver- schiedensten Situationen an dieselben Orte. Diese Manöver machten durch die allgemein bekannten Begleit- umstände und den Verlauf Sensation. Sie fanden in der Publizistik lebhaftes Echo, fast ausnahmslos in günstigem Sinne. Doch der „Sieg" brachte mir auch Neider und Feinde sonder Zahl, die nur darauf lauerten, mir mein nimmermüdes Emportauchen über ihre Köpfe hinweg tüchtig heimzuzahlen. Im Oktober1) feierte man vor dem Schwarzenberg-Denkmal den hundertsten Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig. Alles was Rang und Würde hatte, war vertreten. Der Kaiser kam aus Schön- ^) 16. Oktober 1913! Welch imposante Macht repräsentierte damals noch immer Österreich-Ungarn, wenngleich es von der Führerrolle, die es ein Jahr- hmidert vorher besessen hatte, schon mähHch hinimtergeglitten war. Und fünf Jalire später, ebenfalls am 16. Oktober, erließ Karl I. jenes famose Manifest, das zum Zusammenbruch führte. Doch merkwürdigerweise lagen auch die beiden anderen Kampfesgenossen vom Jahre 1813 und Festgenossen von 1913— Deutschland und Rußland— zerschmettert am Boden, nachdem sie einander zerfleischt hatten. Und unter den Triumphatoren stand in erster Linie das führende Frankreich, der Besiegte aus jenen fernen Tagen. Wie unberechenbar sind die krausen Windungen, die das Geschick der Völker und Nationen bestimmen, vmd welches Bild würde sich dem spähenden Auge wohl enthüllen, wenn es fünf oder hundert Jahre vorausblicken könnte?! 249
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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