Page - 250 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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brunn. Ef sprach mich als einen der ersten an. „Die Manöver sind
also gut verlaufen?" war seine kurze Frage, die ich mir— mit dem
höfischen Ton wohlvertraut— zu deuten wußte. Ich verstand da-
her, daß dies nur meinen dienstlichen Meriten galt, an der persön-
lichen Stimmung des Monarchen aber nichts änderte. Daher war
ich auch nicht weiter erstaunt, als ich am Abend, gelegentlich des
militärischen Empfanges, wieder übergangen wurde.
Vorher wohnte ich noch dem Festdiner des Infanterieregimentes
Nr. 37 bei, das den ersten Leipziger Schlachttag als Regimentsfeiertag
stipulierte. An dieses Regiment knüpften mich insofern persönliche
Beziehungen, als es in den Jahren 1802 bis 1805 denNamen ,,Auffen-
berg" geführt hatte. (Darauf bezieht sich auch die Fußnote im Be-
ginn dieser Lebensschüderung.) Das Regiment bewährte sich auch
im Weltkrieg glänzend, erlitt jedoch schwerste Verluste.
Durch den nicht zu bremsenden Vormarsch der Serben durch Al-
banien schwamm die Politik wieder auf höheren Wogen. Während
des geschüderten Weihefestes tat Berchtold mir gegenüber die Be-
merkung, daß er ,,zu seiner großen Freude von meinem glänzenden
Manövererfolge gehört habe, was besonders im jetzigen Momente
wichtig sei, wo alles auf des Messers Schneide stünde!" In
jenenTagen sollauch derKaiserdieentscheidendeFragegestellthaben,
,,ob wir kriegsbereit seien", was in optimistischer Weise leichthin
bejahend beantwortet wurde. Aber der politische Wellenschlag ver-
ebbte wieder, und wir erfreuten uns neuerdings eines„diplomatischen
Sieges". Dabei mußte es aber jedem halbwegs Einsichtigen klar sein,
daß diese Art diplomatischer Erfolge ganz unfehlbar zum Waffen-
konflikt führen mußte. Wie ich über diese aggressive Politik dachte,
die man nicht einmal so recht beabsichtigte und wobei man die In-
strumente für das Waffenkonzert mangelhaft stimmte, habe ich
wiederholt dargelegt. In jener Zeit konnte ich meine Ansichten aller-
dings nur in privaten Gesprächen zum Ausdruck bringen.
Durch meine Manövererfahrungen angeregt, kam ich zur Über-
zeugung, daß zur wirklichen und wahrhaft ernsten Übung der Armee-
führer und anderer hoher Kommandeure und Organe ganz große
Übungen auf Kriegsständen bei voller Ausgestaltung des Trains ab-
gehalten werden sollten. Da ein einzelner Staat den hierzu erforder-
lichen Kostenaufwand wohl schwer zu tragen vermöchte, proponierte
ich, daß wir die günstigen geographischen Verhältnisse zwischen uns
und Deutschland nützen und im Verein mit diesem Reiche solche
große gemeinsame Manöver veranstalten sollten. Um einander —
die wir doch stets auf die gegenseitige Hufe angewiesen gewesen wä-
ren— besser kennenzulernen und zur Vermeidimg von Eifersüchte-
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918