Page - 261 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Gesehenen verfaßt, enthalten daher vornehmlich solche Daten, die
mir in jenen aufregenden und wechselvollen Tagen bekannt geworden
sind. Die operativen Grundideen und die ausschlaggebenden Dis-
positionen werden wohl niedergelegt, ab und zu auch kritisch be-
sprochen, doch als Durchforschung im streng kriegsgeschichtlichen
Sinne ist dieses Kapitel nicht gedacht. Diesbezügliche Darlegungen
sind übrigens bisher schon von mehrerenSeiten erfolgt, und auchaus
meiner Feder wurde eine ausführliche Abhandlung -publiziert (,,Aus
Österreich-Ungarns Teilnahme am Weltkriege", ,,Der Feldzug der
4. österreichisch-ungarischen Armee im Beginn des Weltkrieges".
Verlag Ullstein & Co., Berlin).
Hier sollen besonders die persönlichen Stimmungen und Gedanken
zur Darstellung gelangen. Und es mag vielleicht nicht uninteressant
sein, den Führer einer Armee an der Arbeit zu sehen und zu beob-
achten, wie die Dinge in praxi verlaufen. Vom Katheder der Kriegs-
wissenschaft und Kriegshistorie werden sie meist als geschlossene
Einheit hingestellt. In der lebensvollen Wirklichkeit bestehen sie
jedoch aus einer Reihe von Einzelhandlungen, die von den laufenden
Vorkommnissen und Tagesereignissen wesentlich beeinflußt werden.
a) Mobilisierung
Zusammensetzung und innerer Bestand der 4. Armee
Bei meiner Ankunft in Wien meldete mir mein Personaladjutant,
Rittmeister FongaroUi, daß ein allgemeiner Mobilisierungsbefehl noch
nicht erlassen, wohl aber ein solcher für den B.-(Balkan-) Fall er-
gangen sei und folgende Korps betreffe: III., IV., VII., VIII,, IX.,
XII., XIII., XV. und XVI., insgesamt neun Korps, davon aller-
dings eines, das XII., nur in Anbetracht der Haltung Rumäniens
im letzten Jahre auf den Kriegsstand gesetzt worden sein dürfte.
Bezüglich Rußlands verband man sich sonach bewußterweise noch
immer die Augen, lieferte diesem Staate aber den Vorwand zu schein-
bar berechtigtem Anwurf, daß acht, beziehungsweise neun Korps—
27 Divisionen — doch unmöglich allein Serbiens wegen unter die
Waffen gerufen würden. Diese teilweise Mobilisierung kann daher
vom politischen sowie vom militärischen Standpunkt aus als nichts
weniger denn glücklich bezeichnet werden.
Der erste Mobilisierungstag war der 28. Juli. Die folgenden Tage
bildeten ein ewiges Steigen und Sinken der Kriegsbefürchtung— bei
manchen auch der Kriegshoffnung — namentlich in Hinsicht der
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918