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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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staunen, daß es nicht sofort zu einem jähen Zusammenbruch kam. Wer trug aber die Schuld an dieser Misere?^) Am 17, August wurde der Einbruch in Serbien und der volle Sieg über dieses Land in pompöser Weise verkündet, wenngleich nur ein wenig belangreiches Gefecht siegreich beendet worden war. Überhaupt, was da ab und zu an offiziellen Phantasieberichten ge- leistet wurde, entzieht sich der Kritik, Natürlich wurde die Siegesepopöe unserer Balkantruppen überall verkündet. Ich selbst tat dies in gutem Glauben bei den 36ern, bei denen ich eben weilte, und die in ein helles Hurra ausbrachen. Am Abend dieses Tages, Vortag zu Kaisers Geburtstag, brachten mir die Ortseinwohner eine Serenade dar, die ich mit dem nötigenApplomb entgegennahm, wenngleich ich mich ob ihrer Aufrichtigkeit keiner Illusion hingab. Der 18. August selbst war trüb und unfreundlich und erbrachte ein frostiges Hochamt in der katholischen Kirche, wobei der zele- brierende Priester— oh welche Ironie!— eine Jubel- und Dankes- hymne über den Niederbruch der Serben anstimmte. Dann fand das Kaiserdiner statt, bei welchem ich den üblichen Speech hielt, der durch die äußeren Umstände eine besondere Weihe erhielt. Nachmittag traf vom Armeeoberkommando die erste Vormarsch- disposition ein. Danach hatte die Armee in die Linie Niemirow Czieszanow—Chmielek zu rücken und für den Weitermarsch die Di- rektionen: Nord, Nordostund Ost wahrzunehmen. Die 23. Landwehr- Infanterietruppendivision wurde der Armee zugeteilt. An die 6. Ka- vallerietruppendivision, die noch nicht angegangen war, wurde ein bezüglicher gemessener Befehl ausgegeben. In den letzten Tagen hatten sich die Nachrichten verdichtet, daß Rumänien und Bulgarien zu unseren Gunsten losschlagen wollten: eines der vielen in dieser Richtung laufenden Gerüchte, die schon vor Beginn des Krieges schwirrten und sich nie bestätigten. Just damals nahm man aber diese Nachricht ernster, und im Zusammen- hange damit mußte man bestrebt sein, beileibe keinen Waffenechec, womöglich aber einen Erfolg einzuheimsen. Ich war daher auf den Ausgang des Gefechtes, das die 6. Kavallerietruppendivision am nächstfolgenden Tag unternehmen sollte, um so mehr gespannt. Nach meinem Morgenritt auf der brillanten irischen Stute Irish MoUy litt es mich nicht am Platze, und ich fuhr wieder zur Truppen- ^) Danach fragt heute wohl niemand mehr. Der allgemeine Umsturz imd Zusammenbruch hat alle früheren Anschauungen tmd Ziele auf den Kopf gestellt, Recht in Unrecht, Unrecht in Recht verwandelt. Und die Ungezählten, die da bluten vmd sterben hatten müssen, waren für ein Phantom gestorben, das in nichts zerfloß. Wohl die größte Tragödie der Menschheit! 282
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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