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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Verhältnisse regelnde Disposition des Armeeoberkommandos telepho- nisch avisiert war, sollte vorerst darauf gewartet werden. Wir blieben bis gegen Mitternacht beisammen, warteten aber vergeblich. Als ich dann am folgenden Tag— 25. August— um 6 Uhr früh in die Büros ging, meldete mir der Inspektionsoffizier, daß die Dis- position eben eingelangt sei. Aus derselben ersah ich, daß eine all- gemeine Offensive geplant, beziehungsweise schon im vollen Gange sei. Die erste Armee, durch ein preußisches Landwehrkorps und das Armeedetachement Kummer^) verstärkt, sollte auf Lublin vorgehen, die 4. Armee zwischen Bug und Wieprz— also nunmehr Direktion Nord—, die 3. Armee aus dem Räume Lemberg in der Richtung auf Brody, die zur Stelle befindlichen Teile der 2. Armee im allgemeinen gegen Osten vorstoßen. Die dieser Anordnung zugrunde liegende Leitidee war nicht ausgesprochen. Es ergab sich aber von selbst, daß dem allseitigen konzentrischen also umfassenden Vorgehen des Gegners ein exzentrischer Gegenstoß entgegengesetzt werden sollte. Die von den Russen geplante strategische Umfassung war eine sehr verständig praktizierte Ausnützung der geographisch-strategischen Grenzverhältnisse und der zweifelsohne vorhandenen absoluten Über- legenheit. Wie groß diese damals war, wurde uns. nicht bekannt- gegeben. Tatsächlich schien aber auch das Armeeoberkommando diesbezüglich nur wenig orientiert. So wurde beispielsweise vom Ar- meeoberkommando bei Beginn der Operationen mitgeteilt, daß sich ,,zwischen Bug und Weichsel etwa acht bis zehn Korps-Front- divisionen im Aufmarsch befänden, daß aber diese kaum vor An- fang September operationsbereit sein würden." Dies hätte also vom I. September an im Maximum 20 sclilagbereite Divisionen im ge- nannten Räume gegeben. Tatsächlich gehörten aber die ersten Ge- fangenen, die am 25. August bei Zamosd eingebracht wurden, einer sibirischen Reservedivision 2) an. Somit hatte sich das Armee- oberkommando, zum mindesten was diese Armeegruppe anlangte, der Zeit nach um etwa sieben Tage, der Zahl nachum 20 bis 30yo geirrt. 1) Das Armeedetachement Kummer bestand aus der 7. Kavallerietruppen- diVision und drei neu aufgestellten Infanteriedivisionen, diu-chweg Landsturm. Eshatte sich inKrakaugesammelt, schonMitteAugust dieGrenze überschritten und rückte unter einer Reihe kleiner Gefechte im allgemeinen in nordöstUcher Richtung vor. In Berücksichtigvmg aller Verhältnisse waren dessen Leistiingen v sehr bedeutend zu nennen. 2) Just dieser Umstand ist außerordentlich bezeichnend und einer der sprechendsten imd unwiderleglichsten Beweise, daß die Russen den Krieg schon für 1914 geplant oder wenigstens damit als Definitivum gerechnet hatten. Wenn schon am 22. August russisch-sibirische Reserveregimenter am wolhyni- schen Kriegsschauplatz in Aktion treten konnten, so hatte der Mobüisierimgs- befehl zehn Wochen vorher— gering gerechnet— an sie ergehen müssen. 288
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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