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Ohne in eine regelrechte Kritik der geplanten Offensivoperation
einzugehen, sei erwähnt, daß wohl keine zwingende Notwendigkeit
hierfür vorlag, und daß weder die Kräfteverhältnisse noch die opera-
tive Gesamtsituation für eine derartige Operation günstig lagen.
Notwendig wäre sie nur dann gewesen, wenn die Russen einen Massen-
anfall gegen das in jenem Momente nur schwach beschützte Ost-
deutschland geplant und sich die Ansätze hierfür bereits gezeigt
hätten. Dies war aber keineswegs der Fall. Im Gegenteil. Alles wies
darauf hin, daß es denRussen vor allem darauf ankäme, ihreRech-
nung mit Österreich-Ungarn zu regeln. Hinsichtlich der Kräftever-
hältnisse wäre jedoch zu bedenken gewesen, daß unser Aufmarsch
noch durchaus nicht beendet war, da uns nicht nur die Etappen- und
die Besatzvmgstruppen für die feldmäßigen San-Brückenköpfe, son-
dern sogar auch starke Armeeeinheiten fehlten. Außerdem war—
wie schon angedeutet—zu erwägen, daß diesenun einmal bestehende
Grenzkonfiguration den Russen die Möglichkeit gäbe, von Haus aus
eine umfassende Grundgruppierung anzunehmen und in weiterer
Folge konzentrisch vorzugehen. Jegliche eigene Offensive zwang uns
aber zu einem exzentrischen, fächerförmigen Verfahren. Somit barg
eine solche von allem Anfange an ein hohes Risiko. In objektiver
Weisemag jedoch immerhin zugegeben werden, daß die Russen durch
diese Offensive zum Schlage gezwungen wurden, ehe sie noch alle
ihre entferntesten Korps herangezogen hatten. Die offensive Grund-
idee soll daher durchaus nicht getadelt werden. Um so notwendiger
war es aber dann,jedemDetailfehlersorgsamstauszuweichen
und insbesondere zu vermeiden, daß die eigenen inferioren
Kräfte zersplittert an den Feind gebracht würden. Bei den Ope-
rationen der 2. Armee— Gruppe Köveß— und bei der 3. Armee
traf dies dann leider zu, was schließlich die ganze operative Anlage
zimi Scheitern bringen sollte.
c) Schlacht bei Komaröw
DieallgemeineSituation, wie siedem 4.Armeekommandoannähernd
bekannt war, zeigt die Textskizze 2, Seite 291. Danach konnte es Textskizze
keinem Zweifel imterliegen, daß es zu einem schweren Zusammen-
Zehn Wochen vor dem 22. August ergibt den 14. Juni. Das ist zehn Tage
vor Beginn der verhängnisvollen Reise des Thronfolgers nach Bosnien. Wer
hätte damals bei ims oder in Deutschland auch nvir annähernd an die MögHch-
keit eines so nahen Krieges gedacht. Ist das nicht der überzeugendste Beweis,
daß wir den Elrieg bewußt nie angestrebt haben ?
igAuffenberg 2,0(^
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918