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Generalstabschefs Kiauß, dem die in Kraft befindliche Geschäfts-
ordnung für die Armee im Felde eigentlich nur wenige Agenden zu-
wies. Krauß, dieser hochverständige Mann, hatte einen herrlichen
Optimismus, der zustatten kam.
Am Abend traf der Armee-Etappenkommandant, Generalmajor
von Schenk, aus Tomaszow ein. Dieser, wie stets sehr rührig, hatte
in Tomaszow bereits ein Etappenmagazin etabHert. Er berichtete
von den starken Verlusten der 39. Infanterietruppendivision, deren
Unterabteüungen bis zu 50% eingebüßt hatten. Ich wollte es an-
fänghch nicht glauben, doch lieferten die späteren Erfahrungen den
traurigen Beweis, daß diese enormen Verlustprozente bei manchen
Abteilungen tatsächlich zutrafen.
Ich möchte meineLeser bitten, den nun in rascherReihe folgenden
Tagebuchnotizen Aufmerksamkeit zu schenken. Unter dem unmittel-
baren Eindruck der Ereignisse, fast durchwegs am gleichen Tage ver-
faßt, geben sie ein deutliches Bild meiner Auffassung und Impres-
sionen. Sie erbringen aber hierdurch den geradezu mathematischen
Beweis, wie vollkommen unrichtig der Erzherzog-Armeeoberkomman-
dant urteüte, als er mir später allzu großen Optimismus und Über-
schwenglichkeit imputieren wollte, wie dies am Schluß dieses Kapi-
tels dargelegt werden wird.
Tagebuch, 27. August (2, Schlachttag) : ,,Als ich in der Früh in
die Büros trete, finde ich günstige Nachrichten. Besonders von Za-
mosc (II. Korps). Aber vom Kavalleriekorps kommen eigenartige,
nicht ganz verständliche Meldungen. Es soll am Vortag gegen etwa
8 feindliche Bataillone gekämpft haben, die stark verschanzt waren.
Woher kommen diese 8 Bataillone? Warum greift übrigens Kaval-
lerie verschanzte Infanterie an? Wir argumentieren während des
Frühstücks darüber. 7 Uhr früh Kanonendonner aus nördUcher Rich-
tung. Die ersten Kanonenschläge, die ich in diesem Feldzug höre!
Stimmung ernst und feierlich. Dann kommt wieder das sachliche
Moment obenauf. Vor allem die Frage, was die Kanonenschläge be-
deuten. Luft ist klar. Täuschung über Schallrichtung ausgeschlossen.
Somit können sie nur von der Artillerie der 26. Infanterietruppen-
division herrühren. ..."
Diese Division war— v^de schon erwähnt— staffelweise in Marsch
gesetzt worden, um die Lücke zwischen der Zamosder Gruppe und
dem über Tomaszow vorrückenden Korps bald zu schließen. Dieser
Entschluß bewährte sich sehr, da der Gegner, durch seinen Spionage-
dienst unterstützt, möglicherweise von dieser Lücke schon Kenntnis
gehabt hatte. Darauf ließen die vehementen Angriffe schließen, die
er an diesem, namentlich aber an den folgenden Tagen wiederholt in
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918