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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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für das in den Verhältnissen nicht begründete Herbeiführen einer Entscheidungsschlacht bei Grodek eine Ausrede zu finden. Tagebuch: ,,Schlaflose Nacht. Die vielen unliebsamen Zwischen- fälle geben zu denken. Kanonendonner ist um 2 Uhr und V25 Uhr früh derart heftig gewesen, daß die Erde gezittert hat. Ich habe großenteils am Kartentisch gewacht. Situation sehr ernst. Mache mir keine Illusionen. Verharre aber in trotziger Ruhe. Habe das Be- wußtsein, das Möglichste und Richtigste getan zu haben. Bin halb verbissen, halb ergeben. Im Grunde fühlt man, daß auch ein Heer- führer nur ein Geführter von höherer Macht ist. .Und schließlich, hat man das letzte Atout aus der Hand gegeben, heißt es ruhig und — wenn man kann— gottergeben ausharren. Und meistens kann man es, denn ,Not lehrt beten', sagt ein alter Spruch ..." Es greifen bei großen Aktionen die Schicksalsräder eben selbst- tätig und selbstherrlich ineinander und bestimmen das Los von Men- schen, Armeen und Staaten. Die Zufälle wogen hin und her. Die besten Anordnungen sind von guten und bösen Taten der Unter- gebenen und Truppen abhängig. Und wenn man eine Situation mit aller Kombinationsgabe haarscharf zurechtgelegt hat, kann man über- zeugt sein, daß sie in vielen Teilen nicht oder wenigstens schon nicht mehr richtig ist. Darum bildet die Divinationsgabe eine der schätzens- wertesten Eigenschaften jedes obersten Führers. Sie muß aber an- geboren sein, denn sie läßt sich nicht anerziehen, kaum durch noch so gründliches Studium vervollkommnen. Das Kriegsmetier ist eben undankbar. Glück und Unglück spielen eine einschneidende, launen- hafte Rolle. Und letzten Endes karyi doch nur immer einer ge- winnen. Das mag banal klingen, doch betrachtet man den abgrund- tiefen Unterschied, der sich zwischen dem siegreichen und dem geschlagenenHeerunddessenverantwortlichenFeldherren auftut, und erkenntman, wie schmalund verwischt oft der Pfad ist, der zu Erfolg oder Mißerfolg führt, so wird man skeptisch in der Beurteilung des einen, milde in der Verurteilung des anderen. Tagebuch, 31. August (6. Schlachttag): ,,5Uhr früh Kanonendonner. Kann auch Vorbereitung meines Angriffes sein. Flautum Va?Uhr ab. Aufatmen. Besonders da vom 11. Korps die Meldung kommt, daß vor Erzherzog Peters Front gestern abend nur schwächere Ab- teilungen gestanden sind, so daß er bis über Dub vorrücken, also komplett gegen Süden einschwenken hat können. Damit ist aber die Einkreisung des feindlichen Hauptflügels vollendet! Auch meldet Oberst Stöhr (Interimskommandant der am äußersten linken Flügel kämpfenden Brigade der 25. Infanterietruppendivision), daß er gestern nachmittag (30. August) eine lange Kolonne von mindestens einer 312
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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