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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Darum nochmals. Die Schlacht \^on Grodek war nicht zu schlagen, zum mindesten aber vom 7.September an abzubrechen, da von diesem Momente an die Chancen für den Erfolg nahezu Null waren! Hierbei mußte der Armeeoberkommandant auch des ausschlag- gebenden Umstandes gedenken, daß in jenem Momente alles, was der Staat an verfügbaren Kräften besaß, in Kampfesaktion gebracht war, sodaß der unglückliche Ausgang einer Schlacht, in der fast alle Armeen engagiert wurden, eine höchst fatale allgemeine Situa- tion schaffen mußte. Der Moment, alles auf eine Karte zu setzen, war daher weder in den Kräfteverhältnissen motiviert, noch auch durch die allgemeinen operativen oder politischen Verhältnisse auf- genötigt. Doch so, wie man sich bei Beginn und Einleitung des Krie- ges des Ungeheuern Ernstes der Situation nicht genügend bewußt war und bei voller Kenntnis der Unzulänglichkeit der eigenen Kraftkom- ponenten in den Existenzkampf eintrat, so wagte man auch hier ein schweres Spiel. Nur die geradezu staunenswerte innere Festigkeit der Armee, sowie die Bedächtigkeit, selbst Schwerfälligkeit der feindlichen Armeen half aus der furchtbar schwierigen Situation heraus, in der die Konzeption von Grodek—Rawa Ruska die eigenen Kräfte ge- bracht hatte. — In der am Abend ausgegebenen eigenen Disposition wurde das offensive Moment noch festgehalten, wenngleich ich mich keiner Täuschung hingab, daß die Ereignisse selbst ein Stoppen des An- griffes erbringen würden, namentlich am eigenen linken Flügel. Durch das hartnäckig eingehaltene Angriffsverfahren sollte aber dem uralten taktischen Grundsatz entsprochen werden, den Entscheidungs- flügel tunlichst zu entlasten. Dies gelang vollkommen, denn die Rus- sen holten von ihrem äußersten linken Flügel Kräfte nach Norden hinauf. So berichtete beispielsweise eine Fliegermeldung, daß die vStraße Mikolajow—Lemberg der Breite und Länge nach mit dicht aufgeschlossenen Kolonnen bedeckt sei, die alle nach Norden mar- schierten. Tatsache war, daß meiner Armee, die einschließlich der Armeegruppe Josef Ferdinand zw^ölf schon recht reduzierte Infan- terietruppendivisionen stark war, siebzehn vollzählige russische Divisionen gegenüberstanden, wobei die von Norden nachrückenden lanziert, man hätte die Schlacht wagen müssen, um alle russischen Kräfte von den Deutschen abzuziehen. Also eine Art strategischer Winkelriedpose. VergebHche Mühe! An dieses Argument wird kein Denkender glauben, denn erstens warum jene Zeit die Tannenberger Schlacht schon geschlagen worden, die mit einer vernichtendenNiederlage für die gegen Deutschland vorgebroche- nen Russen geendet hatte, vmd zweitens war ja weitaus das Gros des Russen- heeres schon in Österreich drin gewesen. 345
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
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