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sand. Am Abend böse Nachrichten. Vom Norden sind 3 bis 4 feind-
liche Korps im Angehen.^) Das wäre die ganze bei Komarow ge-
schlagene Armee. II. Korps schon weit hinter Tomaszöw, Josef Fer-
dinand in Ljubica. Trotzdem muß ich aushalten, damit Stoß der
2. und 3. Armee gelingt."
„10. September. Kanonendonner läßt auf Nachtangriff der Russen
schließen." (Stimmte.) „Wurde vom XVII. Korps abgewiesen.
VI. Korps meldet Angriff und Vordringen der 15. Infanterietruppen-
division. V29 Uhr starker Gefechtslärm an der ganzen Front. Man
unterscheidet deutlich das Einsetzen unserer schweren Artillerie
(15 cm). Noch keine Meldungen da, besonders von Norden nicht,
wo Gefahr am größten. Große Trains bereits hinterdem San. Korps-
train seit heute früh im Rückmarsch dahin. Die ül er C jszyce diri-
gierten Teile sind schon jetzt gefährdet, danochimmc : Ixine Etappen-
truppen zur Stelle, Folgen des überhasteten Op -ationsbeginns.
V2II Uhr Gefechtslärm verstummt. VI. Korps meldet, daß es bis
auf300m hat herankommen können, jetzt aber auf IX.Korps warten
muß. Dieses warf Gegner aus vorderen Positionen, fand hinter erster
Position noch zweite und dritte. So geht's von Tag zu Tag. Josef
Ferdinand wurde gestern zurückgeworfen. 4. Division stark hava-
riert. Vier schwere Haubitzen verloren, die von russischer Infanterie
erobert wurden. Erzherzog will heute erneuerten Widerstand leisten.
Bleibt auch keine andere Wahl. Er muß halten! Rückzugserwä-
gungen! Sollte ein solcher notwendig werden, so wäre Direktion für
meine Armee im günstigsten Fall Raum: Przemysl
— Jaroslau, da
wir von alter I^inie schon abgedrängt sind. Wäre kein großes Un-
glück, wenn man Etappenlinien hätte einrichten können. Vom Ar-
meeoberkommando kommen Delegierte. Dort sieht man Lage noch
immer rosig, weil 2. und 3. Armee kleine Fortschritte gemacht haben.
Aber die in der gestrigen Disposition angegebene Ivinie haben sie
noch lange nicht erreicht! Nicht einmal jene, die am 8. zu erreichen
^) Der Leser wird aus den am Schlüsse dieses Kapitels veröffentlichten
Geheimaktenentnehmen,daßdieserUmstandseitensdesArmeeoberkommandos
mir angekreidet wurde. Meine (gar nicht existierenden) Berichte über die
Schlacht vonKomarow sollen die Veranlassung gewesen sein, daßman auf die
geschlagene russische 5. Armee gar keine Rücksichtnahm xmd sich zur Herbei-
führvmg der Schlacht von Rawa Ruska - Grodek entschloß. Merkwürdig—
von den eigenen wiederholt geschlagenen Armeen 2 und 3 forderte man,
daß sie, obgleich von den überlegenen russischenArmeen verfolgt,
sich schon am 6. September zu einer entscheidenden Hauptschlacht stellen
.sollten. Von der russischen 5. Armee aber, die gar nicht verfolgt werden
konnte resp. durfte, suggerierte man sich leichten Herzens, daß sie dem
Angriff auf ihre Nachbararmeen ruhig zusehen werde. Wohl ein arges Ver-
kennen des kriegspsychologischen Elements.
23 Auffenberg 353
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918