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kurieren. Regieren heißt eben vordenken, nicht aber nachträglich
füsilieren. Und für aU das soll jetzt die Armee aufkommen."
„Soos zum Armeeoberkommando berufen. Bin neugierig, was er
bringen wird. Denke viel über Komarow und Rawa Ruska nach.
Hätte ichdochnurmindestenseinenTag beiKomarow bleibenkönnen.
Wäre sowohl für Truppen, als auch in operativer Hinsicht vorzüglich
gewesen und hätte Verfolgung ermöglicht. Aber freilich, Befehl und
Hilferufe des Armeeoberkommandos! Schließlich habe ich dem nach-
kommen müssen!"
Wie aus diesen Tagebuchnotizen zu ersehen ist, ging dieArmee im
Einklang mit den anderen Armeen fortgesetzt zurück, mit der Ab-
sicht, sich hinter dem Dunajec zu retablieren und den direkten An-
schluß an die deutsche 9. Armee zu suchen. Dieselbe— 9 Divisionen
stark, teüs aus Ostpreußen, teils aus dem Innern Deutschlands kom-
mend— barkierte in Krakau aus und wollte schon am 28. den Vor-
marsch antreten. Davon später.
In die Details der eigenen Rückmarschbewegung will ich hier nicht
eingehen. Ein Blick auf die Karte läßt erkennen, welch ungeheure
Schwierigkeiten diese konzentrierte Operation zu überwinden hatte.
Die beängstigende Enge des Armeeechiquiers, die geringe Anzahl
tauglicher Kommunikationen, das anhaltende ungünstige Wetter
machten die Situationen zu völlig verzweifelten. Die Dirigierung des
Trains erforderte wahre Tüfteleien, wobei die gleichzeitige Benutzung
vonMarschliniendurchzweiKolonnen, sogarvon direktenKreuzungen
unausweichlich war. Und da das Armeeoberkommando stets volle
Tagesleistungen— 20 bis 24km— ansetzte, kam's endlich dazu,
daß die Kolonnenkommandanten wahrhaft desparate Berichte ein-
brachten, die einen Rasttag als ganz unausweichlich erscheinen ließen.
Ich ordnete einen solchen am 19. nachmittags für den 20. an und
teilte diesen Entschluß dem Armeeoberkommando mit. Dasselbe er-
klärte sich wohl einverstanden, doch wie sich's später herausstellte,
verstärkten sich die Quertreibereien gegen mich just von jenemMo-
mente an. Sie wuchsen aus dem Armeeoberkommando selbst auf
das üppigste heraus. Mein Entschluß, den völlig erschöpften Truppen
um jeden Preis endlich einen Rasttag zu gewähren, lief den Tusche-
leien und Vereinbarungen der Generalstabsoffiziere entgegen. Diese
Theoretiker folgten einfach einer Formel, die für diesen Moment das
„Loslösen vom Gegner" vorschrieb. Als ob dies erreicht werden
könnte, wenn auf allen Marschlinien viele hundert Zurückgebliebener
täglich in die feindlichen Hände fielen. Überdies drängte der Gegner
effektiv gar nicht nach. Und letzten Endes— selbst bei dem Beweis,
den ich erbracht hatte, daß mir unter schwerwiegenden Umständen
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918