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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Schaft war viel zn oberflächlich, als daß er mich aus purer Freundschaft sofort aufgesucht hätte. Ich nahm keinen Anstand, den wahren Sachverhalt allüberall deutlich durchschimmern zu lassen. Das Komödienspiel liegt mir nicht, und ich hatte persön- lich auch keinen Grund, mich mit Mysterien und Unwahrheiten zu drapieren. Am ersten Nachmittag suchte ich den Chef der ]\Iilitärkanzlei, General der Infanterie Baron Bolfras, auf. Er erklärte mir bestimmt, über das Motiv meiner Amovierung absolut nichts Näheres zu wissen. Ich informierte Bolfras über die vernehmlichsten Feldzugsereignisse, von denen er übrigens schon Tage zuvor durch Oberst von Soos unterrichtet worden war. Meine Informationen bezogen sich sowohl auf die tatsächlichen Ergebnisse als auf Führungsdetails und persön- liche Eingriffe, die ich in objektiver, doch auch rückhaltloser Weise darlegte. Ich kam auf unsere schweren Verluste zu sprechen, die zu gutem Teil durch die Inferiorität unserer Artillerie bedingt waren. Auf meine Bemerkung, wie sich denn das Verhältnis erst gestaltet hätte,wenn ich als Minister nicht dieAufstellungvonhundertschweren und leichten Batterien durchgepreßt hätte, bekam ichvon einer später hinzugetretenen sehr hohen und einflußreichen Persönlichkeit die et- was überraschende Entgegnung: ,,Dann wären unsere Verluste eben noch größer ..." Der Chef der Militärkanzlei hatte das größte Bestreben, mich zu- nächst aus Wien hinauszubringen— ein Bestreben, das er auch brief- lich mehrfach wiederholte. Ich erfreute mich damals großer Popu- larität, Tagtäglich erhielt ich Beweise dafür. Ich besaß das Ver- trauen der Bevölkerung. Und daman zu jener Zeit in den maßgeben- den Kreisen der öffentlichen Meinung noch einige Bedeutung beimaß, so war es jenen Kreisen vor allem darum zu tun, mich aus der Bann- linie Wiens hinauszubringen. Es war wahrhaft rührend, wie besorgt man sich um meine Gesundheit zeigte und wie man mir speziell das weitabgelegene Meran für meine Wiedererstarkung als ganz besonders günstig anpries. Solche Exilierung lag aber nicht in meinem Sinne. Und es wäre wohl auch am klügsten gewesen, wenn ich dieser Eingebung und dem Rate einer wohl versierten Persönlichkeit ge- folgt und justament einfach in Wien geblieben wäre. Doch die nicht auszutilgende, tief eingewurzelte Subordination, die jeden ,,obersten Wunsch" als richtunggebend empfindet, verbunden mit dem Bedürfnis, mich den steten Fragen nach meiner Gesundheit und nach meiner Wiederkehr ins Feld eine Zeitlang zu entziehen, er- zielten es, daß ich der Einladung Herrn von Wernburgs nachkam und ihn auf seinem Schloß Pichl im Mürztal besuchte. 405
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang