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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ehe ich abreiste, Heß ich mir vom Chef der i\lilitärkanzlei die Zu- sicherung geben, daß mein Rücktritt in manifester Form als ein „zeitweiliger" bezeichnet und mit einer kaiserlichen Anerkennung verbunden werde. Ich glaube, ich hätte damals, wie die Sachen lagen, alles Erdenkliche verlangen können. Um den Preis, ruhig zu bleiben und Wien für einige Zeit zu verlassen, hätten ,,sie" alles bewilligt. Damals fürchteten sie mich. Vor allem fürchteten sie aber die Volks- stimmung. Sie wußten eben noch nicht, daß sie es mit einer, euphe- mistisch gesagt, Ivämmerherde zu tun hatten. Dies erkannten sie erst viel später. Und so hielten sie jenen ungeschriebenen Pakt auch ehrlich und prompt ein. Schon am 9. Oktober erschien ein Aller- höchstes Handschreiben folgenden Inhaltes: ,, Lieber General der Infanterie Ritter von Auffenberg! War es mir schon ein erfreulicher Anlaß, Ihnen für die sieg- reiche Führung Meiner 4. Armee bei Zamosc und Komarow Meine besondere Anerkennung zu bekunden, gedenke ich weiters gerne Ihres sehr wirksamen Eingreifens in die Kämpfe von Rawa Ruska Magierow, so ist es Mir sehr bedauerlich, daß Ihr Gesundheitszustand Ihnen die Pflicht längerer Schonung auferlegt. Diesemnach versetze Ich Sie unter Bekanntgabe Meiner Zufriedenheit in den überzähligen Stand und behalte Ich Mir Ihre Wiederverwendung vor. Wien, 9. Oktober 1914 Franz Josef. So schwer es mir auch ankam, so gab ich mich dennoch für den Moment zufrieden. Dann reiste ich auf Schloß Pichl, weiters für etliche Wochen auf den Semmering. Bei herrlichem Herbstwetter, in anregender Gesellschaft, war es trotz allem eine angenehme Zeit. Am Semmering nahm ich die Mahlzeiten meist in Gesellschaft des Grafen Lützow und des Herrn von Merey, beide ehemalige Bot- schafter am italienischen Hofe, davon letzterer erst kurz vorher Baron Macchio den Platz geräumt hatte. Beide Diplomaten mein- ten, manwerdesichmitder Abtretung des Trentino früher oderspäter doch befreunden müssen, wenn man auf eine dauernde Bundes- genossenschaft rechnen wolle. Gegenteilige Anschauungen führten zu lebhaftem Meinungsaustausch, der uns oft lange zusammenhielt.^) ^) Meine Ansicht von damals, doch auch späterhin, resümierte in dem Ge- danken, daß eineLandabtretung aufGrund des Nationalitäten- und Sprachen- prinzips ausgeschlossen war. Denn selbst eine einzige würde ein Präjudiz bilden, das in folgerichtiger Weitergestaltimg den Staat in seineAtome zerlegen müßte, wie ja dies schließlich auch geschehen ist. Doch ich war auch der wei- teren Anschauimg, daß es speziell den Italienern in erster Linie weniger um Landgewinn, sondern— wenn auch uneingestandenermaßen— um die mili- tärische Gloire zu tun war. Seit fast 70 Jahren kämpften sie darum, aus dem 406
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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