Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Page - 411 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 411 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

Image of the Page - 411 -

Image of the Page - 411 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

Text of the Page - 411 -

einem geflügelten Worte wurde. Die Schlacht von Przemysl brach man ab, und die den rechten Flügel bildende Armee Böhm-Ermolli wurde per Bahntransport nach Schlesien und von da nach Polen zur direkten Deckung und Stärkung der Deutschen eingesetzt. Hier- durch gelangten die österreichisch-ungarische i. und 2. und die deut- sche 9. Armee nördlich der Weichsel, inSumme wohl über 30 Divi- sionen, die die Wechselvollen Kämpfe in Russisch-Polen durchführten. Die südlich derWeichsel verbliebene österreichisch-ungarische 4, und 3. Armee mußten den Rückzug antreten, wodurch Mittelgalizien und Oberungarn dem feindlichen Einfall, der alsbald erfolgte, preisge- geben wurden. Man kann dem operativen Entschluß : Abbrechen der Schlacht und Hinüberwerfen der 2. Armee, Großzügigkeit und sozusagen strate- gische Hochherzigkeit gewiß nicht absprechen. Ich möchte dies am wenigsten tun, da ich vor ,,dem Blick ins Große" stets die gebührende Hochachtung empfand. Ob es aber notwendig war, die sich siegreich anlassende Schlacht bei Przemysl aufzugeben, dieselbe also für die dabei beteiligten Truppen in eine Niederlage zu verwandeln und Un- garn der feindlichen Invasion preiszugeben, um jene Umgruppierung zu bewirken, darüber könnte man rechten. Daß man aber die Schlacht gewissermaßen für gewonnen erklärte, ergibt sich schon daraus, daß die beiden Armeekommandanten mit der damals höchsten Kriegsauszeichnung, dem Großkreuz des Leopoldordens, bedacht wurden. Jene großen Fragen und Geschehnisse bewegten mich, den Weit- abstehenden, in meiner häuslichen Klause nur mittelbar. Es war, als säße ich in einer Kajüte und hörte den Anschlag der brandenden Wellen an die Schiffswände, ohne sie zu spüren. Fühlbarer war mir aber der Klatsch, der sich in demMaßeum meine Person verdichtete, als es bekannt wurde, daß die Ursache meines Rücktrittesvom Kom- mando eine Amovierung und nicht, wie man anfänglich geglaubt, eine Erkrankung gewesen w^ar. Da das Publikum sich jedoch die Amovierung nicht gut zu erklären vermochte, und das Märchen von der allzugünstigen Färbung der Komaröwer Schlachtberichte bald nicht mehr zog, so wurde jetzt eine neue Mär in Kurs gesetzt. Man lancierte, daß ich ganz ungeheuerliche Trainverluste, ja sogar formi- dable Mannschaftseinbußen w'ährend des Rückzuges von Rawa Ruska erlitten hätte. Warum ich einen Teil meiner Divisionsverpflegungs- trains freiwillig und bewußt geopfert, habe ich im vorigen Kapitel dargelegt. Ich möchte nur noch hinzufügen, daß ein Armeekomman- dant, der sich in kritischen Momenten durch mögliche Trainverluste beirren ließe und lieber Truppen als Train verlieren wollte, vielleicht 411
back to the  book Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung"
Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Aus Österreichs Höhe und Niedergang