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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Page - 414 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

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Zu jener Zeit wurde eine neue Kriegsdekoration geschaffen: das Militärverdienstkreuz i. Ellasse, das dem Großkreuz des Leopold- ordens vorangestellt wurde. Potiorek erhielt es als erster, begleitet von einem huldüberströmenden kaiserlichen Handschreiben. Beides wurde ihm durch einen Spezialkurier überbracht. Leider sollte diese hehre Siegesfreude nicht lange dauern. Zunächst wurde Potiorek vom Glück verlassen, diesem wichtigsten und unentbehrlichsten Requisit jedes Feldherrn. ^) Sehr zur Unzeit trat anhaltendes, schweres Regen- und Schnee- wetter ein, das die an sich schwierigen Nachschubverhältnisse noch ungünstiger gestaltete. Und scliließlich blieb die Nachschubmöglich- keit ganz aus. Potiorek geriet dadurch zweifelsohne in eine schwie- rige Lage. Die bereits gewonnene Kolubaralinie halten, hieß auf den südlich hiervon gelegenen und stetig ansteigenden Höhenkamm hin- aufgehen. Dadurch vergrößerte sich die an und für sich ausgedehnte und daher lockere Front immer mehr, was ja schon durch die Be- sitznahme von Belgrad bedingt worden war. Potiorek dürfte es auch bekannt geworden sein, daß die Serben, hohes Spie^ liskierend, alle ihre Truppen— etwa zwei Divisionen— von der bulgarischen Grenze ab und gegen die österreichisch-ungarische verschoben hatten. Theo- retisch war's demnach wolil richtig, von den Truppen das Äußerste zu verlangen, um noch vor Eintreffen dieser Verstärkungen eine Ent- scheidung zu erzwingen und dabei die von West über die Kolubara vorgerückten und die von Nord von Belgrad anrückenden Gruppen in nahen Kontakt zu bringen. Daran hielt der Feldherr hartnäckig fest, auch dann noch, als sämtliche Gruppenkommandanten die physische Unmöglichkeit wei- teren Vordringens in allen Tonarten meldeten. Potiorek hatte sich zweifelsohne Zeit seines Lebens in spekulativer Weise mit der Ps^^che des Krieges beschäftigt. ,,Ein Feldherr muß einsam sein!" ,,Kriegführen heißt hungern!" ,,Ein Feldherr, der eine große Operation beginnt, muß mit 50% Verlust rechnen!" und ähnliche Aussprüche charakteiisieren seine gewiß tief durchdachten Anschauungen. Doch diese erstarrten mit den Jahren bei seiner anachoreten Lebensweise zu Dogmen. Sie wurden zur Abstraktion, die den Zusammenhang mit dem praktischen Leben verlor. Darum erstarrte schließlich auch sein WÜle. Potiorek wurde taub gegen alle ^) AllegroßenHeerführer, Friedrich der Große, Napoleonhatten ihrZutrauen und ihre Gimst stets nur Männern zugewendet, in deren Glücksstern sie Ver- trauen gesetzt. ,,Sa Majeste le hasard!" ,,Ce sont les circonstances qm com- mandent!" Allerdings ist es die Eigenschaft des Glückes, daß es oft lurplötzlich umschlägt und dem also Gehöhnten ins Gesicht lacht. 414
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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