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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Page - 423 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

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sive^) an der ganzen Front angetreten. Ich glaube aber, daß selbst die Initiatoren dieser Operation sich von Anfang an keinen weit- gehenden Hoffnungen hingegeben haben mochten. Wenn es zur Not gelang, den unausgesetzt erfolgenden Durchbruchsversuchen der Rus- sen standzuhalten, so waren deswegen noch durchaus nicht die Be- dingungen für eine Offensive gegeben, zumal ja im Monat März in der Karpathenfront noch voller Winter herrschte. Auch die paar deutschen Divisionen, die dazugetreten waren, konnten trotz an- erkannter Bravour einen Umschwung nicht herbeiführen. Przemysl war in dem Momente verloren, als die Oktoberschlacht daselbst abgebrochen war und—jene früher erwähnte—erste große Umgruppierung stattgefunden hatte. Es ,,heißt", daß Conrad da- mals die Festung freiwillig hatte räumen wollen, daran aber durch höhere Willensmeinung verhindert worden war. Ich könnte ihm nur recht geben, zumal ja Conrad vollkommen im Klaren gewesen sein wird, daß die allgemeinen Chancen für eine Wiedergewinnung der Sanlinie sowie des Beckens von Sambor innerhalb der nächsten drei bis vier Monate höchst fraglich geworden waren. Auf längere Zeit war aber die Festung nicht approvisioniert, sie mußte daher— wenn nichtganz besondere Ereignisse eintraten—imMärz unbedingt fallen. Przemysl hatte im Beginn des Krieges seine operative Rolle er- füllt, doch auch ausgespielt. Es hatte dem Aufmarsch der Armeen am San Stütze und Rückhalt gegeben, es hatte einen gewaltsamen Angriff blutig abgewiesen, die Wiedergewinnimg der Sanlinie in der ersten Oktoberhälfte wirksamst gefördert imd in der darauf ent- brannten großen Schlacht gleichfalls werktätig mitgetan. Und hätte sich nach Komarow und vor Rawa Ruska die Heeresleitung zu einer indirekten Sanverteidigung entschlossen, so hätte sich der Einfluß der Festung als Manövrierbrückenkopf in noch verstärktem Maße geltend gemacht. Ein Mehr zu verlangen war unbillig und vor allem taktisch und strategisch unrichtig, wenn man aus höheren operativen Rücksichten bis fast in den Meridian von Krakau zurückschwenken mußte oder wollte. Keine Festung ist unbezwingbar, Sie muß fallen, wenn sie von der Außenwelt definitiv abgeschnitten ist, und die mathematische 1) Diese Offensive wurde hier in Wien und wahrscheinlich auch anderwärts wie ein offenes Geheimnis besprochen. Ich selbst hörte auf der RingstraiBe zwei vornehm gekleidete Herren im Plauderton darüber sprechen und dabei ganz zutreffend ,,8 Korps" als die für die Offensive bereitgestellte Kraft be- zeichnen. Damals hieß es, daß diesbezügHche Enimtiationen von PersönHch- keiten der obersten Leitimg an Unberufene gemacht wurden. Anders wäre es auch schwer zu erklären. Irgendwelche Retorsionsmaßnahmen erfolgten aber nicht. 423
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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