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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Formel für den Moment ihres Falles kann dann jeder Militärschüler errechnen. Conrad war daher im Rechte, wenn er das Aufgeben der Festung intendiert hatte. Gewiß, der moralische und politische Effekt wäre ein ungünstiger gewesen, doch noch immer weniger un- günstig, als es dann jener der Bezwingung der Festung war. Sie fiel durch Hunger! Ob dies unausweichlich war, wird eine objektive Geschichtsforschung zutage fördern, desgleichen die Mo- tive für den wenig erfreulichen Umstand, daß bei Übergabe der Festung über loo ooo Mann in Gefangenschaft gerieten!— darunter allerdings etliche tausend Militärarbeiter und sonstige non-valeurs. Die zehrten aber vorher an den Rationen mit, und es ergab sich das Mißverhältnis, daß die die Festung direkt einschließende feindliche Kraftgruppe nicht stärker war als die eingeschlossene. Somit war von Anfang November an der Wert der Festung so gut wie Null. Die Tränen, die aus den Augen des erzherzoglichen Oberkomman- danten bei Erhalt der Nachricht vom Fall der Festung geflossen sein sollen, wären daher schon in den ersten Novembertagen zu ver- gießen gewesen— allerdings in beiden Fällen mit demselben sach- lichen Effekt. Die durch den Fall der Festung freigewordenen russischen Divi- sionen wurden hauptsächlich zum Einbruch in die Duklasenke heran- geführt. Doch hatte man Zeit gehabt, sich darauf vorzubereiten. Und rechtzeitig herangeführte Verstärkungen, speziell einige deutsche Divisionen, parierten auch diesen Stoß. Auch war indessen die großartige Winterschlacht an den Masu- rischen Seen geschlagen worden, in der Hindenburg die russische IG. Armee total vernichtet hatte. Diese Schlacht fand—mit Recht— allseits die größte Bewunderung, doch lag auch hierbei der strate- gische Effekt mehr in der Negative. D. h. die Situation hätte sich katastrophal gestaltet, wenn Hindenburg nicht gesiegt hätte. Einen durchschlagenden, positiven, richtiger gesagt, operativen Erfolg aber hatte auch dieser Sieg nicht erbracht. Und wie die Dinge damals lagen, hätte er ihn auch nicht erbringen können. Es war gewisser- maßen das organische Verhängnis der Mittelmächte, daß alle ihre Siege die eigene Katastrophe wohl abwenden, doch die der Gegner nicht erzwingen konnten. Ich habe diese Ansicht schon im Jänner 1916 in einem längeren Essay vertreten, der in einem Artikel der ,,Zeit" Aufnahme gefunden hat.— So war es Mitte April geworden, als mir wieder ein Brief Kroba- tins zugestellt wurde, in welchem er mir — sozusagen freundlich lächelnd— mitteilte, daß jetzt der Zeitpunktgekommen wäre, meinen Rücktritt ins Werk zu setzen. Und da mir mittlerweile souffliert 424
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
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