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lieh in so disparater Weise vollzog. Es sei dahingestellt, ob dies auf
die weitere Entwicklung der Dinge nicht einen wesentlichen Einfluß
genommen hat.—
Um auf die ungarischen Verhältnisse und die damals laufenden
Begebenheiten wieder zurückzukommen, sei erwähnt, daß die Dinge
nunmehr einem raschen Wandel unterlagen. Dies sprach sich z. B.
dadurch besonders aus, daß sich der linke Flügel der Oligarchen,
Batthyany, Karoly usw., desgleichen die Demokraten, wie Vaszony,
von den Kjönungsfeierlichkeiten absentierten und kaum sechs Mo-
nate später teils auf dem Ministerfauteuil, teils in anderen offiziell
anerkannten prädominanten Stellungen saßen.—
Schon am Abend des Krönungstages brachten fast ausnahmslos
alle Blätter die Notiz, daß ich vom König zur Krönung ,,eingeladen"
worden war und bei dieser Gelegenheit Batthyany und Vaszony auf-
gesucht hätte. Wahrheit und Dichtung glücklich gemengt. Wer
dies ersonnen und in die Blätter lanciert, konnte ich niemals erfahren.
Daß aber diese Notiz sensationell wirken würde, dessen war ich mir
sofort bewußt. Und da ich über dieStimmung unterrichtet war, diej
an oberster Stelle herrschte, so ahnte ich, daß die bestehende Ani-
mosität dadurch nur verstärkt werden würde. Vielleicht war diese
Notiz ein wohlberechneter Coup von feindlicher Seite, um so mehr,
als die Zusammenstellung der ,,kaiserlichen Einladung" und des Be-
suches der genannten Politiker einen pikanten Beigeschmack erhielt,
der der ungarischen Regierung und der Arbeitspartei unmöglich mun-
den konnte.
WenigeTage später teilte mir auch schon der Kriegsminister münd-
lich mit: ,,Seine Majestät ließe mir sagen, daß ihm mein Auftreten
in der Öffentlichkeit nicht gefalle, speziell daß ich beim Minister-
präsidenten Tisza und beim Kardinal Piffl Besuche mache. Ich möge
Ruhe geben, denn ich hätte genug erreicht!"
Über diese außerordentlich ungnädige und mit den Tatsachen gar
nicht übereinstimmende Apostrophe war ich ebenso konsterniert, wie
empört. Vorerst stellte ich die Tatsache richtig, sagte aber unum-
wunden, daß ich mir das persönliche Recht, meine Bekannten zu
besuchen, unter keinen Umständen nehmen lasse. Weiters erklärte
ich freimütig, daß das Maß des ,,Erreichten" mit meinen wohl vor-
handenen Verdiensten kaum in Einklang gebracht werden könne,
da mir ja nicht einmal das rückerkannt wurde, was mir durch die
kaiserliche Entschließung im April 1915 zugewiesen wurde. (Perso-
nalzulage.) Der Minister versprach aus freien Stücken, letzteres rele-
vieren zu wollen. Ich akzeptierte es und ersuchte ihn, all das, was
ich gesagt hatte, an oberster Stelle vorzutragen und hinzuzufügen,
3oAuffenberg '
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918