Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Page - 475 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 475 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

Image of the Page - 475 -

Image of the Page - 475 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

Text of the Page - 475 -

wissermaßen nur im Fluge aus der Vogelschau überblickend und sie nur insoweit charakterisierend, als sie sich dem Beobachter hier in einem der Brennpunkte wiesen, seintm jenesStimmungsumschwunges Erwähnung getan, der so ziemlich in der Mitte der Kriegsperiode an- hob und, sukzessive sich steigernd, schließlich zu einem der Haupt- motive der Schlußentscheidung wurde. Wenn etwa bis zum Beginn des Jahres 1917 bei beiden krieg- führenden Gruppen der seelischeWunsch auf den Sieg gerichtet war, so änderte sich dies insofern, als dieser Wunsch nur mehr bei den Ententemächten ein einhelliger und leidenschaftlicher blieb, wäh- rend bei den Zentralmächten der Friede und in letzter Instanz der Friede um jeden Preis das Ziel der Wünsche und Bestrebungen wurde. Nicht in allen Schichten und in allen leitenden Kreisen, aber gleichwohl vernehmlich— namentlich in Österreich-Ungarn seit der Thronbesteigung Kaiser Karls. Einem auf porösen Grund gefallenen Tropfen gleich, verbreitete sich diese psychische Disposition stets weiter und lockerte das innere Gefüge. Schließlich konnte man auch das Gleichnis vom Zusammenstoß des eisernen Topfes mit dem irdenen anwenden, wobei natürlich der letztere zerschellen mußte. Aus dem Kampfe der Armeen war der Kampf der Nationen und Völker und schließlich der ganzen planetarischen Welt geworden. Da war es dann natürlich, daß noch inmitten des Krieges die Stim- mungsmomente und Bestrebungen namentlich der obersten Re- gierungsinstanzen den ausschlaggebenden Einfluß gewannen. Hierdurch trat aber die ungeheure Differenz zwischen den Rand- und Zentralmächten plastisch in Erscheinung. Hier Durchschnitts- leistung, gepaart, vielmehr konterkariert durch dilettantisches, trotz- dem aber korrosiv wirkendes Intrigenspiel, dort der unbeugsame, eiserne Römerwille eines Clemenceau und Lloyd George, denen sich dann das— anfänglich bestandene— ungeheure Prestige Wilsons, sowie die nimmermüde, durch militärische Mißerfolge nicht zu nivel- lierende Pression der italienischen Staatsleitung zugesellte. Nicht Foch noch Haig noch Pershing haben den Krieg gewonnen, so sehr auch die viituose Behandlung des übergewaltigen Kriegsinstruments der zahllosen Ententearmeen anerkannt werden soll. Gewonnen hat den Krieg nebst der zehnfachen materiellen und technischen Über- legenheit nur das unbeugsame Wirken der erstgenannten Staats- männer und Faktoren, namentlich Clemenceaus, der sein Volk mit eisernem Griff erfaßte und bis zum letzten Ende an der Stange zu halten wußte. Er war ein Held der Beharrlichkeit, allerdings ein Held auch in dem Sinne, daß er wohl zu kämpfen und zu siegen, doch keinen Frieden zu schließen wußte. Er hätte nach errungenem 475
back to the  book Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung"
Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Aus Österreichs Höhe und Niedergang