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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Page - 478 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

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Auch in der zweiten Hälfte jenes Jahres mußte ich unausgesetzt die Erfahrung machen, daß mich von höchster Stelle aus stets wachsende Mißgunst verfolgte, die eigentlich schon pathologisch war. Interven- tionen von verschiedenen hochstehenden Persönlichkeiten erfuhren einfach die brüskeste Abweisung oder wurden schon beim ersten Wort gebremst. Dagegen verschwendete man an andere Gunst und Gnadenbezeugung in verblüffendster Weise. Die Personalverord- nungsblätter, namentlich die Verleihung höchster Kriegsdekora- tionen an zwei hohe Generale des Ruhestandes, die drei Jahre vor- her das Kriegsglück wahrlich nicht zu fesseln gewußt hatten, sprachen da eine beredte Sprache. Und auch sonst brachte der damalige Zeit- moment nach Stimmung und Neigung einen wahren Sturzregen an Ernennungen, Ordensauszeichnungen, Adelsverleihungen höhern und hohen Grades. In dieser Richtung bedeutete das neue Regime eine wesentliche Abkehr vom alten. Der Volkswitz, dieser ewig bereite Hohlspiegel der alten Monarchie, darin sich die drolligsten und tief- ernstesten Maßnahmen und Begebenheiten in gleich verzerrter, auf die Lachmuskel wirkenden, Besorgnisse zerstreuenden und die Logik beruhigenden Art wiedergaben, quittierte auch dieses Vorkommnis in echt österreichischer Weise. Am ersten Geburtstag, den der junge Monarch als Kaiser und König beging, wurden auch die ersten Maria-Theresien-Kreuze aus eigenster Machtvollkommenheit verliehen. Eine ziemlich stattliche Anzahl. Darunter als Kommandeur des Ordens Generaloberst Dankl für die Schlacht von Krasnik. Daß man mich diesmal, wo die Aus- zeichnungen nur nach Gunst und Gnade verteilt wurden, nicht be- dachte, durfte mich nach all dem Vorhergegangenen nicht weiter wundern. Um aller wichtigen Begebnisse des ereignisreichen Sommers und Herbstes des Jahres 1917 zu gedenken, sei noch erwähnt, daß im Sommer ein ganz unvermittelter Regierungsakt des Kaisers allge- meine und größte Sensation erregte. Es war der dann vielbesprochene Amnestieerlaß. Hierzu sei nur der Meinung Ausdruck gegeben, daß dieser Herrscherakt vom österreichischen Standpunkt aus eine In- konsequenz der Regierungskunst darstellte, vom Standpunkt der Völkerschaften, an die er gerichtet war, den größten Sieg bedeutete. Hiermit war der Auftakt zu einer ganzen Kette überraschender Emanationen gegeben, die aber keinen Erfolg erbringen sollten. Zunächst zwei Erlasse müitärischer Natur. Der Antiduellerlaß und das Verbot jeglicher körperlicher Strafmaßnähme in Heer und Flotte. Über den Antiduellerlaß, sowie über das Duell als gesellschaft- lichesCharakteristikum ließe sich vieles sagen. Hier sei nur erwähnt, 478
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
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