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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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man nicht eingegriffen, fühlte sich aber nach all den geschilderten Vorfällen und schwerwiegenden Mißgriffen doch verpflichtet, irgend- wie mitzutun, zumal auch die Massen an der Südwestfront seit mehr als siebenMonaten eigentlich vollkommenuntätigdalagen, dabei aber doch unter dem stets zunehmenden Mangel empfindlich litten. Psy- chologisch ist es auch erklärhch— wenn just auch nicht entschuld- bar— , daß man nach all den gänzHch mißlungenen Friedensanbie- derungen wenigstens nach einem müitärischen Erfolg haschte. Da rief man denn noch einmal das Waffenglück an und entschloß sich zu einer Offensive, die aber von allem Anfange an den Keim des Mißerfolges in sich trug. Großenteüs durch eigene Schuld! Denn — wenngleich die Verhältnisse für eine Offensive an der Südwestfront nicht leicht lagen, hatte man doch auch vollauf Zeit gehabt, alle Vorbereitungen nicht nur minutiös genau, sondern auch großzügig zu treffen. Etliche Millionen, sogar Hunderte derselben hätten keine Rolle mehr gespielt, wenn sie beispielsweise zu einer reichen oder selbst überreichen ]\Iunitions- oder Materialdotierung verwendet worden wären. Denn Fehler und Mängel in dieser Hin- sicht waren Todsünden gleichzuhalten. Zu einem Pasquill gestalteten sich aber in diesem Falle die Vor- kehrungen, besser gesagt Nicht-Vorkehrungen, für die so notwendige Geheimhaltung des großen Unternehmens. BuchstäbHch genommen konnte man in jedem Kaffeehaus, in jedem Klub, in jedem größeren Bankhaus mit apodiktischer Bestimmtheit erfahren, daß die Offen- sive genauam 15. Juni beginnen würde. Zugegeben, daß die Geheim- haltung eine schwere Sache war, speziell bei uns, wo die Schwatz- haftigkeitzuHause istund die feindlichenKundschafter leichtesSpiel hatten. Damit mußten aber die obersten Kommandostellen rechnen, und sie hätten sich überdies erinnern können, daß man die Schv/atz- haftigkeit, sowie das Spionagesystem zu Täuschungsaktionen ver- wenden könne, wobei man sich vor allem der Presse in geschickter Weise bedient. Doch gerade dieses wirksamen Mittels hatte man sich von allem Anfange an bewußt und gewollt begeben, indem man jegliche fachliche Pressemanation mit Strenge niederhielt. In allen andern Staaten, bei FreundundFeindund bei den Neutralen, konnten sich müitärische Schriftsteller von Ruf durchsetzen, wobei sie mora- lische und auch sonstige Unterstützung fanden, während bei uns fast nur einige Paradeweihartikel fabriziert werden durften. Zu allem Überfluß wurde dann noch ein kaiserHches Handschreiben, eine Ministerernennung betreffend, vom ,,Hofzug" aus datiert. Die Audienz des Feldmarschalls Erzherzog Friedrich im kaiserlichen Hauptquartier war gleichfalls in allen Blättern zu lesen, sowie jene 488
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
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