Page - 488 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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man nicht eingegriffen, fühlte sich aber nach all den geschilderten
Vorfällen und schwerwiegenden Mißgriffen doch verpflichtet, irgend-
wie mitzutun, zumal auch die Massen an der Südwestfront seit mehr
als siebenMonaten eigentlich vollkommenuntätigdalagen, dabei aber
doch unter dem stets zunehmenden Mangel empfindlich litten. Psy-
chologisch ist es auch erklärhch— wenn just auch nicht entschuld-
bar—
, daß man nach all den gänzHch mißlungenen Friedensanbie-
derungen wenigstens nach einem müitärischen Erfolg haschte. Da
rief man denn noch einmal das Waffenglück an und entschloß sich
zu einer Offensive, die aber von allem Anfange an den Keim des
Mißerfolges in sich trug. Großenteüs durch eigene Schuld!
Denn — wenngleich die Verhältnisse für eine Offensive an der
Südwestfront nicht leicht lagen, hatte man doch auch vollauf Zeit
gehabt, alle Vorbereitungen nicht nur minutiös genau, sondern auch
großzügig zu treffen. Etliche Millionen, sogar Hunderte derselben
hätten keine Rolle mehr gespielt, wenn sie beispielsweise zu einer
reichen oder selbst überreichen ]\Iunitions- oder Materialdotierung
verwendet worden wären. Denn Fehler und Mängel in dieser Hin-
sicht waren Todsünden gleichzuhalten.
Zu einem Pasquill gestalteten sich aber in diesem Falle die Vor-
kehrungen, besser gesagt Nicht-Vorkehrungen, für die so notwendige
Geheimhaltung des großen Unternehmens. BuchstäbHch genommen
konnte man in jedem Kaffeehaus, in jedem Klub, in jedem größeren
Bankhaus mit apodiktischer Bestimmtheit erfahren, daß die Offen-
sive genauam 15. Juni beginnen würde. Zugegeben, daß die Geheim-
haltung eine schwere Sache war, speziell bei uns, wo die Schwatz-
haftigkeitzuHause istund die feindlichenKundschafter leichtesSpiel
hatten. Damit mußten aber die obersten Kommandostellen rechnen,
und sie hätten sich überdies erinnern können, daß man die Schv/atz-
haftigkeit, sowie das Spionagesystem zu Täuschungsaktionen ver-
wenden könne, wobei man sich vor allem der Presse in geschickter
Weise bedient. Doch gerade dieses wirksamen Mittels hatte man
sich von allem Anfange an bewußt und gewollt begeben, indem man
jegliche fachliche Pressemanation mit Strenge niederhielt. In allen
andern Staaten, bei FreundundFeindund bei den Neutralen, konnten
sich müitärische Schriftsteller von Ruf durchsetzen, wobei sie mora-
lische und auch sonstige Unterstützung fanden, während bei uns
fast nur einige Paradeweihartikel fabriziert werden durften.
Zu allem Überfluß wurde dann noch ein kaiserHches Handschreiben,
eine Ministerernennung betreffend, vom ,,Hofzug" aus datiert. Die
Audienz des Feldmarschalls Erzherzog Friedrich im kaiserlichen
Hauptquartier war gleichfalls in allen Blättern zu lesen, sowie jene
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918