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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Mit den Jahren entstand aber daraus die Unabhängigkeitspartei, die sich zuerst in schüchterner, vielfach auch humoristischer Weise gel- tend machte, dann jedoch den Regierungen sehr unbequem wurde, im weiteren Verlauf solche auch stürzte und schließlich sich mit den anderen Parteien sogar in die Regierungsgewalt teilte! Im Anfange gab es aber nur eine große Regierungspartei, deren Chef auch Ministerpräsident wurde, der einst in effigie gehenkte Graf Julius Andrass}''! Seine Prinzipien blieben auch erhalten, als er das Ministerium des Äußeren übernahm, und auch späterhin wirkte er durch sein persönliches Ansehen, durch Wort und Schrift, für die Einheitlichkeit und unversehrte Erhaltung der Armee, Doch die nimmermüden chauvinistischen Bemühungen lebten wei- ter und fanden in einem seiner Nachfolger, Koloman von Tisza, einen ebenso begabten als erfolgreichen Vertreter. Die Kunst Tiszas bestand zu gutem Teil darin, das Wesen der Gesetze bei Forterhalt der äußeren Form zu verändern. Es erinnerte an die Gesteinsmeta- morphose, wo Kristalle irgendeines Gesteines in andere Gesteins- arten eingebettet, im Lauf der Jahrtausende wohl die ursprüngliche Gestalt, Sexaeder, Dodekaeder usw. beibehalten, sich aber atom- und molekülweise in die umgebende Gesteinsart umsetzen. Der erstaunte Forscher wähnt anfänglich die Natur bei einem Wesensirrtum zu er- tappen, bis er erkennt, daß bei Beibehalt der äußeren Form das Wesen sich geändert hat. So metamorphisierte auch Tisza während seiner 15jährigen Amtsführung den Ausgleich. Und ging es zu lang- sam, so ließ er sich ab und zu von derOpposition einwenigvergewal- tigen und tat, als müßte er einer vis major folgen. Nur einmal wollte es ihm absolut nicht glücken, mit der Opposition fertig zu werden, ohne ihren Willen zu tun. Da sezessionierte der Präsident des Ab- geordnetenhauses, Graf Apponyi, und nicht lange darauf mußte Tisza das so lange und glücklich verteidigte Regierungspräsidium an den Grafen Szapary abtreten. Szapar}'-, seinem Vorgänger an Kapazität nicht gleichwertig, ver- suchte die Verstaatlichung der Komitate durchzuführen, was ihm nur im geringen Maße gelang. Als es dann zu kirchenpolitischen Re- formen (Einführung der Zivilehe) kommen sollte, trat er zurück, da er mit dieser liberalen Auffassung nicht sympathisierte. Es folgte das erste Ministerium Wekerle. Dieser Ministerpräsi- dent war einer der bedeutendsten neuzeitlichen Persönlichkeiten Un- garns, namentlich in finanzpolitischer Beziehung— allerdings nicht verläßlich, was ihm während seiner zweiten Regierung das persön- liche Vertrauen der Krone für immer entzog. In seiner ersten Amts- zeit setzte er nach schweren Kämpfen mit dem Magnatenhaus und 502
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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