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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Uhr geregelt war. Durch all diese Momente gefördert, vielmehr ge- zeugt entwickelte sich in den Jahrzehnten und Jahrhunderten jene eigenartige Mentalität und Ideologie, die ein festes und bis an das letzte traurige Ende schier unzerreißbares Band um alle ihre Mit- glieder schlang und auch solche bald in ihren Bann zwang, die der Armee berufsgemäß gar nicht angehörten. Viele und große Unglücksfälle mußte dieArmee bestehen, bestand aber auch alle ehrenhaft, und nie konnte sie— auf dem Schlacht- felde— durch eine Katastrophe vernichtet werden. Dem Antäus gleich, erhob sie sich nachjedem Niederbruche wieder zu neuer Kraft. Doch diese zog sie nicht aus der Mutter Erde, die ihr ja diese oft gar nicht reichen wollte, sondern sie empfing sie nur durch den waltenden Geist jener Ideologie, die erst dann ihre zeugende Kraft verlor, als alle Faktoren des Staatwesens, die Führenden und die Geführten, der eigenen Armee den Rücken kehrten und ihr den Boden entzogen. Und wie ungenügend, zögernd und widerwillig gestalteten sich auch die materiellen und technischen Vorsorgen für die Armee. Wenn andere Staaten resp. deren Tribunen für die staatlicheWehr mit vollen Händen gaben, konnten die Minister des österreichisch- ungarischen Heeres nur mühsam die nötigsten Brocken zur Fort- fristung dermateriellenundtechnischenExistenzdenanderen Ressort- ministern und Volksvertretungen völlig entwinden. ,,Einen gellenden Verzweiflungsruf" nennt der bekannte politisch- historische Schriftsteller Bernhard Molden dieInaugurationsrede eines Kriegsministers im Winter 1911. Doch auch dieser gellende Ruf und die drohende Konstellation, die sich damals am politischen Horizont jedem wies, der sehen wollte, konnte das Tempo der Ausgestaltung nur im unzulänglichen Maße steigern. Und als man nicht lange danach wie' auf allen Gebieten, zo auch hier, wieder in den boden- ständigen Opportunismus einlenkte und die beliebte byzantinische Schönfärberei weiter walten ließ, resultiertedarausmitzwingenderLo- gik dieKonsequenz, daß imverhängnisvollenMomentekeinederkonti- nentalen Armeen weniger kriegsbereit war, als das österreichisch- ungarische Heer. Wenn man dies nicht gewußt hat, so hat man es nicht wissen wollen, die Feinde aber haben dies sehr wohl gekannt. Allerdings erlebten auch sie eine ungeheuere Überraschung. Wohl war die Ausrüstung und teilweise die Bewaffnung der Armee rück- ständig, doch lebendig und vollkräftig war des alten Heeres Ideologie. Und wie der aus dem Schlummer geweckte, angegriffene Löwe sich erhebt, so raffte sich auf, bis zum letzten Tambour hinunter, zu seinem letzten Kampf, des wankenden Reiches beste Institution, sein Heer. 511
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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