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Adolf Grohmann (1887–1977) 401
zeichnet werden darf und schlechterdings unersetzlich ist, zumal die Originale zum Teil bereits
nicht mehr existieren. Es sichert und ermöglicht Deutscher Forschung die führende Stellung
auf diesem Wissensgebiete. Leider sind diese Bestände seit der Intensivierung der Luftangriffe
der unmittelbaren Gefahr der Feindeinwirkung ausgesetzt, und so habe ich mich entschließen
müssen, das Material nach Kärnten zu bringen […]112. Es gelang ihm jedoch nicht, alle
seine Manuskripte außer Landes zu schaffen, erst 1949 wurden ihm die letzten Kisten
aus dem Orientalischen Institut übergeben, jetzt allerdings stilisierte Grohmann sich zu
einem Internationalisten, der seine Materialien im Interesse internationaler Forschung
wieder in seinen Besitz bringen wollte113. Er selbst nutzte einen Forschungsaufenthalt in
Österreich und quartierte sich bei seiner inzwischen verheirateten Tochter Irmelin ein.
Genauso überlegt, wie er seine Flucht aus Böhmen betrieben hatte, bemühte er sich jetzt
um die Wiedereingliederung in Österreich.
Von seinem neuen Quartier aus ließ sich Grohmann vonseiten des Orientalischen Ins-
titutes in Prag einen „Persilschein“ über sein Verhalten während der Zeit des Nationalso-
zialismus ausstellen : Professor Vincenc Lesný bestätigte ihm mit Schreiben vom 2. August
1945 : Die Direktion des Orientalischen Institutes in Prag III, Lazenska 4, bestätigt, dass Herr
Professor Dr. Adolf Grohmann während der Kriegszeit als Direktor des Institutes dieses vor der
Verschmelzung mit dem Deutschen Institute bewahrte, dass er für die finanzielle Sicherung des
Institutes sorgte, dass er das Vermögen des Institutes ungeschmälert in die tschechischen Hände
überführte und dass er in jedem Falle die Belange des Orientalischen Institutes zu dessen
wissenschaftlichen Vorteil wahrte. Ferner bestätigt der jetzige Direktor des Institutes gerne,
dass Herr Prof. Dr. Grohmann sich gegen uns, die tschechischen Mitglieder des Institutes,
sich stets rücksichtsvoll und korrekt verhielt und dass er mit uns, den Angestellten, tschechisch
sprach114. In gleicher Weise äußerte sich Zdeněk Fafl : Ich bestätige gerne als damaliger
Geschäftsführer des Orientalischen Institutes, dass Sie als Leiter des Institutes in der Kriegszeit
stets die Interessen des Institutes vertreten und verteidigt haben. Sie sind für die Aufrechter-
haltung des Institutes energisch eingetreten und haben die Gefahr der Auflösung des Institutes
bzw. seiner Eingliederung in andere Institute abzuwenden gewusst. Sie haben auch für die
finanzielle Selbständigkeit des Institutes gesorgt und dem Institute regelmässige Subventionen
des Schulministeriums gesichert, so dass das Vermögen des Institutes ungeschmälert erhalten
werden konnte. Dadurch wurde ermöglicht, dass das Institut seine wissenschaftliche Tätigkeit
in der Kriegszeit fortsetzen und seine Publikationen weiter herausgeben konnte. Ich benütze
112 BAB, R 31/548 ; Ellinger, Orientalistik (wie Anm. 6) 73, hier zit. nach Reinfandt, Papyrologist (wie
Anm. 11).
113 Sie [die Lebensarbeit Grohmanns bzw. die Bearbeitung der Materialien] hat effektiv internationalen Charakter
und dient der internationalen Wissenschaft. AÖAW, phil.-hist. Kl., PA Grohmann, Schreiben Grohmanns an
den Generalsekretär der ÖAW, Joseph Keil, vom 28.07.1948.
114 AÖAW, phil-hist. Kl., PA Adolf Grohmann, Schreiben vom 02.08.1945.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien