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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 416 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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416 Alena Janatková Verhältnissen sah der Verfasser nach dem katastrophale[n] Ende einer „neuzeitlichen Ent- wicklung“ – unter Bezug auf Oswald Spenglers kulturpessimistische Schrift „Untergang des Abendlandes“ (1918) – wieder das Mittelalter heraufziehen24. Und nun verrinnt das alles mit diesem Strom im Nichts25. Die Lösung der Formprobleme wurde an den über unser „kulturelles System“ hinauswirkenden Kräfte[n] festgemacht26, und zwar anstelle von Ideen/ Programmen/Parteibekenntnissen an den großen europäischen Menschenverbänden27 wie dem Staat, der katholischen Kirche (mit Perspektive im kultisch-mythischen Katholizis- mus), dem Nationalsozialismus (fremd, aber mit Ausblick durch sein Hinausgreifen über das eigene Kultursystem) und den historischen Wissenschaften aufgrund ihrer Geburt durch Fragen nach Hintergründen volklicher, rassischer Art28 : Die Erlösungsphantasien zielten auf Neue Perspektiven29, und mit ihnen auf die genialen Vollbringer […] die eigentlichen Träger des geschichtlichen Geschehens30, hervorgegangen aus dem Zusammenstoßen von polar ver- schiedenen Charaktertypen bzw. Rassentypen31, auf die Züchtung von Genies32. Über vierzig Seiten beanspruchen die biologistischen Ausführungen zu den neuen Perspektiven in Blick- richtung auf Genie und „Rasse“, sie enden mit handschriftlichen Notizen zur Judenfrage, die Swoboda in Hinsicht auf seine 1934 geschiedene Ehe zu analysieren suchte33. Aufgrund 24 Ebd. 24f. 25 Ebd. 19. 26 Ebd. 28 (Überschrift Abschnitt 28–60). 27 Ebd. 54. 28 Ebd. 59. 29 Ebd. 61 (Überschrift Abschnitt 61–106). 30 Ebd. 71. 31 Ebd. 72. 32 Ebd. 74f. In Swobodas Text finden sich unter anderem Verweise auf Werke folgender Autoren : Gottfried Benn, Otto Brunner, James Frazer, Leo Frobenius, Fritz Graebner, Martin Heidegger, Karl Jaspers, Sören Kier- kegaard, Wolfgang Köhler, Ernst Kretschmer, Lucien Lévy-Bruhl, Wilfried Menghin, Friedrich Nietzsche, José Ortega y Gasset, Erik Peterson, Max Scheler, Oswald Spengler, Ernst Troeltsch, Alfred Vierkandt, Max Weber und Otto Weiniger. 33 Siehe Swoboda, Typoskript, (wie Anm. 1) : „Natürlicher Charakter“, Verhältnis des heutigen Europäers zum Christentum. Mein Christentum : Jedenfalls hinter, mehr, vor der Ration, vorwissenschaftlich. Als geleugnete, unter- drückte, bekämpfte Herkunft empfunden. Aber doch Teil von mir. In der denkenden, überlegenden Sphäre meines Selbst ist es mir unmittelbar undenkbar. Ablehnung aller rationalen Anerkennung des Christentums, Dogma etc. Meine Metaphysik ist keine christliche Metaphysik. Daher mein persönliches Verhältnis zum Juden : Bewußtsein der vorhandenen, wenn auch unterdrückten „natürlichen“ Verschiedenheit. Das dagegen ankämpfende moderne Frei- heitsgefühl (letzten Endes zwar antik-christlicher Herkunft) kämpft gegen die religiöse Kluft : Der sogenannte Juden- fimmel. Daher meine Ehe. Hat also eine Art unbenennbar erlösende Absicht. Des fernsten, mir noch innerlich erreich- baren Fremden. Analog meiner Sklavenbefreiung – Tendenz den Sklaven gegenüber und ähnlichen Erlebnissen am eigenen Leib. […] Frage der Hinstellung zur Kulturfrage. Christentum meine Metaphysik, nicht Kultur als Selbst- zweck, nicht Geschichte als Form für sich. Tendenz zum Genie. Erlösung durch Genies. Geniezucht. Zunächst. Von daher Einstellung zum Staats-Volks-Gedanken bestimmt. Staat zurücktretend (nur gegebenes Verwirklichungsmittel
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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