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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 417 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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Karl Maria Swoboda (1889–1977) 417 dieser Ausführungen wird Swoboda von Hans H. Aurenhammer als „nihilistischer rechter Intellektueller“ charakterisiert34. Swobodas Haltung war zwar von einer nüchternen Ein- schätzung der Folgen des nationalsozialistischen Lebensstils bestimmt : das Zurückdrängen der Frau aus allen Lebensbereichen, wo sie nicht ihrer Natur nach geradezu unentbehrlich ist, das beherrschende Hervortreten von Männerbünden, […] das Bedürfnis dieser Gruppen nach straffer Führung, der darin liegende kriegerische Zug, das Streben nach körperlicher Ertüch- tigung zu diesem Zweck ; Dinge, die wohl latent im Deutschen früher schon da waren, jetzt aber in einer Weise bestimmend geworden sind, dass zu ihren Gunsten bisherige Lebensnotwen- digkeiten zurückgestellt werden35. Trotz solch klarer Beobachtung des Nationalsozialismus sollte Swoboda eben dieser Ideologie zuarbeiten. Er selbst schränkte seine negative Kritik an der sozialen Widersinnigkeit des Nationalsozialismus sogleich ein : widersinnig aber nur von den verschiedenen möglichen Standpunkten des bisherigen „kulturellen Systems“, vielleicht aber nicht von solchen eines sich formierenden anderen36. Sein Gesinnungswandel vom Kul- turpessimismus zum aktiven Nihilismus wurde in demselben Essay pathetisch mit Erneu- erungsvisionen kraft Zerstörung begründet : Hier sind Impulse und Ergebnisse auf das Neue hin fassbar. Triebkraft ist die europäische Notlage, wie im kirchlichen und politischen Leben. Am bewußtesten formuliert von Nietzsche in seinem Begriff des aktiven Nihilismus. Im Absehen von allem dem bisherigen „System“ angehörenden, Zerschlagen von allen in dieses bindenden Fesseln liegt der Weg. […] Die europäische Geschichte tritt zurück (trotz Weltkrieg 1) hinter ihm heute fremder Absichten). Blutzufuhr. Blutreinheit. Zur erneuten Kreuzungsfähigkeit. Für Isolierung Nord- Süddeutschlands. Hebung des Bauern. Auflösung der Städte. Senkung des Niveaus der materiellen Kultur. Doppelte Moral. Wissenschaft – Volk. Trennung der Schule, der Hochschule vom Staat, der zu selbstbestimmt ist. Autonomie. Von hier gesehen sieht das Judenproblem aus : kein von unten her, mit zweiter Moral züchtbares Volk. Durch Ressenti- ment zusammengehalten (bei wohl gegebenen rassischen Naturgrundlagen). Gegen Zionismus, als praktisch undurch- führbar. Für Gewinnung von selbstentscheidenden modernen Menschen aus orthodoxem Reservoire. Also eigentlich für Ghettojudentum. Gegen massenhafte willkürliche Vermischung. Gebietsweise verschieden. Im Westen und Süden bei zurückgehender Zuwanderung für Assimilierung. In Deutschland und bei uns für Dissimilierung, die ja beim freien Menschen aus Opposition den „Sprung“ nur verlockend machen wird. Im Osten für Dissimilierung, aber von den Juden ausgehend. Hier sind sie (schon in der Tschechoslowakei) das Genieformat latentoffen [?]. Von der Vermi- schungs- und Geniezeugungsfähigkeit müßten hier die Maximen abhängen. Also innerlich : christlicher Judenfreund, bei Bewußtheit der Verschiedenheit, die nicht endlos sein soll, sondern der Hervorbringung eines Gemeinsamen, der Genierasse, dient. Äußerlich : auf der gehobenen Stufe, Geniestufe, fällt das Judenproblem weg. Politisch : Für Dissi- milation bei uns, dabei aber gegen alle unchristlichen Mittel, gegen alles Diffamierende : also tunlichst unpersönlich, durch Konsens aller Betroffenen. […] Der selbstentscheidende Jude ist vorbei, der Ghettojude versteht mich ohnehin nicht. Kamilla Swoboda emigrierte 1938 nach Prag, anders als der gemeinsame Sohn Michael Swoboda weigerte sie sich zu fliehen, wurde 1939 deportiert und starb 1942 in Theresienstadt. Siehe Aurenhammer, Zäsur (wie Anm. 2) 51f., Anm. 162 ; Edwin Lachnit, Fragmentarisches zu Kamilla Swoboda, in : Oskar Kokoschka – Das Konzert. Variationen über ein Thema, hg. v. Reinhold Graf Bethusy-Huc (Salzburg 1988) 13f. 34 Aurenhammer, Zäsur (wie Anm. 2) 52. 35 Siehe Karl Maria Swoboda, Die gegenwärtige Lage (wie Anm. 1) 52f. 36 Siehe ebd. 53.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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