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Karl Lechner (1897–1975) 585
Das Voranschreiten dieser Entwicklung im Methodischen lässt sich vielleicht anhand
eines Details veranschaulichen. Vorgeführt wird besagte Methode in Lechner 1924 (141–
150) am Beispiel der Herren von Pernegg, vor allem der eingangs als Möglichkeit in Aus-
sicht gestellte Schluss von Besitzverhältnissen bestimmter Adelsfamilien auf genealogische
Abstammung von Personen, hier konkret auf Beziehungen zwischen den Perneggern und
den Peilsteinern. Sätze wie der folgende dürfen für Lechners Vorgehen als charakteristisch
erscheinen : Daß eine Familienverbindung zwischen Perneggern und Peilsteinern eingetreten
ist, dafür spricht unzweifelhaft, daß der Besitz zwischen Weitenbach und Donau, den wir zu
Anfang des 12. Jahrhunderts als alten Besitz der Peilsteiner gefunden haben und von welchem
die Schenkungen an Freising und Neustift erfolgten, an die Pernegger übergegangen war, und
zwar schon vor 1180. (143) Auch werden die Beziehungen zwischen Perneggern und Ba-
benbergern erörtert und im Zuge dessen die Pernegger direkt auf einen unbekannten Sohn
des Markgrafen Ernst (141) zurückgeführt. Diese Behauptung, auch im Horner Heimat-
buch vertreten338, wird im großen Aufsatz Lechner 1937 (55f.) dahin gehend relativiert,
dass für die Pernegger nur noch die Abstammung mütterlicherseits von den Babenbergern
konstatiert wird.
Selbst scheinbar nebensächliche Details wie dieses nehmen innerhalb von Lechners
methodisch folgerichtigem Argumentationsgang einen festen Platz ein : „Daß die Ba-
benberger in Pernegg Hoheitsrechte ausübten, dafür sprechen auch spätere Zwettler
Quellen […]. Die Hausnamen im Geschlechte der Pernegger Ulrich und Ekbert deuten
unzweifelhaft auf die Formbacher […] ; ebenso die Besitzverhältnisse zwischen Traisen
und Pielach ; endlich aber, daß […] auch Bischof Ulrich – beachte den Namen ! – dem
Kloster St. Georgen gerade wieder in Pernegg die Zehente angewiesen hat. Aber die Edlen
von Pernegg nennen sich auch nach Deggendorf in Bayern und das ist ein Teil der alten
Donaugrafschaft der Babenberger, ein Landgericht der Grafschaft Bogen und Lehe von
den Babenbergern. […] Die Namen Ulrich und Ekbert sind […] im Hause der Grafen
von Formbach heimisch. Doch ist der letztere Name selbst erst wieder von dem Ge-
schlecht der Brunonen […] an die Formbacher gediehen […]. Wir halten ferner dazu,
daß die Babenberger selbst mit den genannten sächsischen Geschlechtern verbunden wa-
ren […]. So dürfen wir also bezüglich der Herren von Pernegg zusammenfassend wohl
an Formbach’schen Beziehungen festhalten, andererseits aber Babenberg’sche Herkunft
annehmen.“339
suchung aus 1937 zum Thema „Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte“ aus : „Für eine genaue Herausarbeitung
der einzelnen Herrschafts- und Hoheitsgebiete in ihrer Bedeutung für das ganze geschichtliche und kulturelle
Leben der Siedler bin ich selbst in immer steigendem Maße eingetreten.“ – Lechner, Landschaft (wie Anm.
185) 30 Anm. 1.
338 Lukas/Moldaschl, Heimatbuch (wie Anm. 335) 295–297.
339 Lechner 1937, 55f. Hervorhebungen nach Original.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien