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70 ein gewisser Lehmann, denn ich von Wienn gekennt meinetwegen herum, er wird
aber soviel ausricht>en@ wie alle andere. Das schlimste ist, daß ich jezt nicht aus-
geh>en@ kann wegen den Kraffort, und wann man nicht beständig antreibt, so ver-
sprech>en@ die Leüte viel und halt>en@ nichts, od>er@ lüg>en@ etwas daher. Dein
Anzieh Weib kommt auch nicht mehr, und der Schuster hat 50 lb auf cession des
Billiets auftreib>en@ woll>en@ \will sagen anstatt 200: 50./. Stelle dir ein wenig
meine Umstände vor e vestiti un pocco di miei panni. Wegen des Hausherrn hat er
sich declarirt, daß er das Geld vorschiessen, damit ich die Green \vor die Pfänder/
bezahle, und er will sie zu sich nemmen. 14 Däge nach deiner Abreise schenkt
er mir den Hauszins, das übrige aber solle ich ihm geben>,@ was ich selber gern
will. Sie läst ihn nicht mehr bey ihm schlaffen, sondern schläft bey dem Lambert
od>er@ des Regi>nelli@ Bet. Jezt zieht er los über die Lambert, die er sagt, daß er sie
nicht mehr im Haus geduldete, so es nicht meinetweg>en@ geschähe. Er hat de >sic@
Green öfentlich seine H>ure@ declarirt, und gestern ist die Ammel mit dem Kind
>S. 2@ gekommen und hat ihms gebracht, der Peter sein Vatter und Mutter dörften
auch nicht mehr ins Haus. Er sagt sie seyen alle zusammen ein Canal>ien@ Gepack.
Ich habe ihm aber auf eine ganz gute Art zu sagen gewust, daß wir zu allen diesen
Leut>en@ durch ihn gekommen, od>er@ wenigstens so lang behalten. worauf er es
bedauret. Aber zu spät für Uns. Er hat sie alle in Argwohn des Kuppelns, hat auch
mehr als zu recht. Ich bite dich etwa nicht zu glauben, daß ich mich besoffen
selben Abend, ach nein, Meine Krankheit stekte mir schon lang im Leib, und es
wäre eine Thorrheit lang um den Ursprung zu frag>en@, es ist nur viel, daß ich nicht
ehender darnieder geleg>en@, oder gar crepirt. Mit einem Wort>:@ selber Abend hat
Gelegenheit gegeben, daß sie ausgebroch>en@. Ich habe alles bey deiner Abreise
vorhinein gesehen, auch selbe Nacht kein Aug zu gethan, sondern es stunde mir
der Angstschweis auf der Stirne wegen den künftigen Ding>en@ pp. Ich hoffe du
wirst es auch für keine >sic@ geringes Zeich>en@ der Liebe ansehen, daß ich dich
nicht gleich anfangs betrüb>en@ woll>en@, sondern lieber allein gelitten, weil du
auch deinen Theil zu leiden hast, insbesondere, wegen Ausbleibung der Coffrè.
Dann ohne Geld ist da kein Mittel, so wenig als eine verdamte Seele sich aus der
Hölle herauslüg>en@, od>er@ biten kan, auf die lezt aber war ich gezwungen dir
nach und nach die Beschaffenheit der Sachen zu schreib>en@. Wann du wüstest wie
schwer mir das schreib>en@ ankommt, du wirst es wohl aus der zitternden Hand
und Verwirrung erkennen. Ist vieleicht der Philip daran schuld, daß du so oft die
Post versäumst, od>er@ ist etwa eine andere Ursach Schuld daran, und dein lezter
Brief mir ein trauerbrief? Dann ich habe \schon/ in etlichen eine grosse Kaltsinnig-
keit wahrgenohm>en@, und das meist bestund in Comissionen. Ich kan mich nicht
genugsam verwundern, daß du so sichere Hofnung auf Ausbringung des Billiets
machest, ich habe dir ja niemahlen keine Hofnung in meinen Brief>en@ gegeb>en@,
sondern nur berichtet, was ich vorhabe, du hast auch in deinem hierseyn die ent-
sezlich>en@ Schwürigkeit selbst gesehen. Ich rucke dir dieses nicht vor, sondern ich
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur