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244 Edition der Briefe
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110 Übermuths erwehren, wenn ich aber bey dir, ist es eine ganz anders Wes>en@. Die
Krankheit hat mir den Küzel zimlich vergehen gemacht, die Armuth, der Chagrin
hat mir nicht \einmahl/ auf den geringsten Gedanken auf andere verfallen lassen.
Auf dich war>en@ all meine Gedanken, und angenehme Vorstellungen, sie wurden
aber bald durch die miseri unterdrucket, und auf verdrüssligkeit>en@ und serieuse
Sachen angewendet. Nun weiß ich daß du zu Zeit dieses Brie deines lezten Briefes
meine grosse Krankheit nicht gewust. Ich will derentwegen recht aufrichtig reden.
Ich habe allerdings einer Ruhe höchst nöthig, dann du kanst es nicht glaub>en@
wie ich entkräftet >S. 3@ und zugerichtet bin. Ich sehe einem todten mehr änlich als
einem lebendigen, daß alle Leüte über mir erschrecken. Nun wäre ich allerdings
unfähig mich alsobald foderst bey dieser Kälte auf die Reise zu begeben. Allein
um bey dir zu seyn will ich gern mein Leben hazardiren, wie kann ich aber des
Geldes wegen? Ich muß also mit aller Gewalt hier sehen wenigsten das Reisgeld
zu erhalten, indessen erwarte ich von dir deine Categorische resolution, ob du
wilst, daß ich dir nach Coppenhagen folge, welches mir das liebste. Oder ob ich
bey den lieb>en@ Eltern und Kindern den Winter zu bringen, die Reise dorthin
würde kaum so viel kost>en@, als nach DenneMark, und dort>en@ könte ich aufs
höchste um 15 À. Monatlich oder noch weniger herrlich leb>en@ welches in Denne-
mark auch kostbahrer seyn würde. Oder solle ich zum Jozzi nacher Paris, und
dort>en@ componir>en@ und drucken lassen, ich weis gewis, daß ich mich durch-
bring>en@ wolte ohne dir was zu kost>en@. Er schreibt, daß er nachdrückliche
Schreib>en@ an Marechal Saxe habe, dieses kan sein grosses Glück seyn. Du weist
wie hart mir der Winter allzeit zusezet, und jezt nach einer so grossen NB Gemüths
Krankheit möchte ich wohl ein wenig ausruhen. Überlege alles dieses und schreibe
mir deine lezte, ernstliche, und nicht ¿ngirte resolution, ich werde unterdessen
alles mögliche thun, um bereit zu seyn aus dieser Egiptisch>en@ Gefangeschaft ein
mahl zu entkommen. Unterdessen möchte ich desperat werden, daß deine gebene-
deyte Opera noch nicht in scena gegangen. Ich warte auf diese Nachricht, wie die
Juden auf den Messias. Schike mir auch ein titelblat mit den Personagen, es koste
was es wolle, wo du 1ma Donna, und die Pompeati 2da. Die Ashe plaget mich um
die wörter Voi miei pensieri p und ich habe sie nicht, wie auch die Musiqs nicht
von deiner teütsch>en@ Arien die du gemacht hast. Diese brauche ich nicht, aber
die Wörter für die Ashe, compress geschrieb>en@ so du kanst. Borosini hat mir mit
dieser Post geschrieb>en@ nebst ein>em@ Beyschlus von Churfeld, weil sie aber
beide melden, daß sie dir schreib>en@ wollen, so ist es unnöthig, daß ich wei-
ter was davon schreibe. Wegen Fenster ein werff>en@ möchte ich nicht gern nach
WestIndien transportirt werd>en@, aber ich habe was anders im Kopfe. Mit dei-
nen Haub>en@ solst du bedienet werden, auch mit allen übrigen so viel mir mög-
lich. Wegen den Pantomimi ist heüte wieder der Kerl hier bey mir gewest, er will
mir mit der Sprache nicht heraus, was er davor will, hat mirs aber bis freydag
versproch>en@. Seye Gescheid liebe mich, und schicke mir zum trost wenigstens
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur