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145 wegen der Wäsche von der Lambert. Sie sagt auch, daß sie den lezt>en@ Abend, da
du vereisest 5 Sch>illing@ zum Spesen von den ihrig>en@ her gegeb>en@. schreibe mir
hierüber wann du dich besinnen kanst. Frage auch den Philip. Der Doctor der mit
dem Schife kommt heist Müller ist mit Frau und Kind. Endlich bin ich vorgestern
um 5 Uhr bey der Milady vorgekomen. Sie hat mich gleich sizen gemacht, um ver-
zeih>en@ gebett>en@, daß sie mich so oft ko>mmen@ gemacht umsonst /: es war auch
in der That unmöglich :/ mich wegen der Kra>nk@he>it se@hr bedauret. Von dir 1000
expressiones gemacht, daß Sie dir recht von Herzen wohl wolle pp Mein Vortrag
war, daß sie die recomendation zu Baron Sollendahl erfrisch>en@ solle, welches
sie mir auch versprochen sicherlich, dieses war der Pr text. Hernach kam ich mit
dem Brock>en@, daß Sie mir bey ihren Herrn die Bezahlung, od>er@ beym Prinzen
ein Reisgeld ausbringen solle. hierauf hat sie mir recht vernünftig geantwortet. Ich
solle mich in ihre Stelle sez>en@ und seh>en@ ob es möglich, dann ihr Herr, sagte
sie, macht sich bey der ganz>en@ Welt ridicul, und mischet sich in Sach>en@, da er
für sich selbst kaum zu leb>en@ hat, und da sein Vatter noch lebt. Der Prinz seye
von allem informirt und genug hierüber disgoustirt. Wenn ihr Herr mich bezahlet
wolte sie es thun, und sie glaubt, daß er jezt was thun könte. Ich werde mit ihm
selbst auf dem Park, und durch den Vanesch>i r@eden, welcher mirs gewis verspro-
ch>en@. In summa die Milady kann und will nichts thun. >Si@e läst sich dir schöns-
tens empfehl>en@ mit viel>en@ expressionen. Ich stehe auch wieder in einen andern
negotio, man will mir aber viele Wahren geb>en@, daß ich noch 20 oder 40 p>er@
cento gewihnen solle. ich werde aber sicher gehen, und leüte die es versteh>en@
consultiren die auch die Waaren zu besehen hinführen darf. Der Deüfel hat alle
diese Woch>en@ auf das Land geschlagen, Geduld par force. Der Hausherr hat dem
Secretari das Wort und mir weg geläugnet wie ein Schelm, und weil wir in der
summa 3 Woch>en@ nach deiner Abreise zu wenig gesezt, so hat er die 3 Woch>en@
mit Gewalt hab>en@ woll>en@, mir auch wirklich die Sach>en@ aufgehalt>en@. Der
Secretarj ist 3 mahl da gewest, aber nichts ausgerichtet, bis ich bezahlet. Es war
ein Geschrei vorm Deüfel, ich hatte mit ihm nicht mehr geredt, und ohne ihm zu
grüss>en@ aus den Haus gegang>en@. Die Alte will ihn alla legge sez>en@, er hat
auch mit ihr cruel geschrien. Ich bin in des Tessini z Tessarini Zimmer, und zahle
wochentlich 5 Sch>illing@ Adieu lebe wohl + und liebe mich wie ich dich. Gott
gebe dir alles Glücke, und ich bin bis in den Tod dein getreüer Pirker>.@ +
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung und an den Faltkanten auf S. 3/4.
THEMENKOMMENTAR:
Der Brief beschäftigt sich mit dem Versand von Mariannes Habseligkeiten nach
Hamburg. Die AuÀistung des Kofferinhalts gibt uns Einblick in den Hausstand,
mit dem eine Sängerin damals verreiste: neben Alltagskleidung, Theaterkostümen
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur