Page - 422 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
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422 Edition der Briefe
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125 so den Borosini eingeführt. Es hat mich etliche schlaÀose Nächte gekostet.
Der Junge Auretti ist sein>em@ Vatter durchgegang>en@, aber wieder bekom>en@
word>en@, jezt ist er im Hemd zu Haus im Bethe und eingespert, wied>er@
ein>en@ Scholar>en@ verlohren. Mondags war hier das kleine theater im Heimarkt
gestürmet, indem ein Kerl unbenant versproch>en@ auf einem Rohr alle Musiqs
nachzumach>en@, in eine ordinaire Bottelien in Angesicht der Zuseher zu
kriech>en@, und drinen zu sing>en@, todte befreünde in einer apparte Loge den
so es verlangt sehen zu lass>en@, und mit ihnen zu sprech>en@ pp wie nun das
Haus voll war, ist er mit dem Geld davon, darauf haben sie alles zerschlag>en@,
und auf den Heimarkt herausgetrag>en@ und verbrent, also daß dem Pater, so herr
davon über 400 lb Schad>en@ gescheh>en@. Prinz Cumberland hat seinen Deg>en@,
und Joli seinen Scharla>chenen@ Mantl in der Confusion verlohren. Den 22t>en@
war hier grosses Wetterleücht>en@, und Donner von weiten. Adieu lebe wohl, und
liebe mich wie ich dich küssend als dein bis in Tod getreüer Pirker>.@
Mondag ziehen wir aus.
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten, 1 Zusatz von Giuseppe Jozzi Beschädigung durch Siegelöffnung und an den
Faltkanten auf S. 3/4.
THEMENKOMMENTAR:
Franz bezieht sich mit diesem Brief hauptsächlich auf ein undatiertes Schreiben
Mariannes vom Anfang des Jahres 1749, das sie aufgrund seiner Angaben zum
Erhalt und unter Berücksichtigung der Posttage (Versandtage) ungefähr in der
Zeit zwischen 3. und 7. Januar abgefasst haben muss. Die Behauptung des Musi-
kers, er lebe „miraculoser als der heil>ige@ Antonio von Padua“, wirft ungewollt
ein Schlaglicht auf die katholische Gläubigkeit des 18. Jahrhunderts. Der Heilige
Antonius von Padua, der im 13. Jahrhundert lebte, nahm bei seinem Eintritt in den
Franziskanerorden den Namen des Heiligen Antonius Eremita an, der der Über-
lieferung nach in spätantiker Zeit unter entbehrungsreichen Umständen als Ein-
siedler in der Wüste gelebt hatte. In der Volksverehrung kam es deshalb zu Ver-
wechslungen, das Einsiedlerleben wurde irrigerweise auch Antonius von Padua
zugeschrieben. Deshalb beruft sich Franz, der in seinen Briefen an Marianne
häu¿ger auf sein entbehrungsreiches Leben als Einsiedler mangels ¿nanzieller
Mittel hinweist, auf diesen Heiligen.
Die Betonung der Gottlosigkeit des Francesco Darbes ist insbesondere im
Zusammenhang mit dem streng protestantischen Glauben und der strengen
Lebensführung zu sehen, die bis zur Thronbesteigung Fredericks V. u. a. zur Schlie-
ßung des Kopenhagener Hoftheaters geführt hatten.
Wie üblich, kommen auch in diesem Brief beruÀiche Perspektiven zur Sprache.
Franz fordert Marianne auf, wieder „unter die gangbare Welt“ zu kommen, also eine
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur