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der Briefe
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90 Andrien, verschone niemand m[ac]he dich zahl[en], denn Uns verschont auch
niemand. Wegen den M[ilor]d schreibe ich nichts wie, wann pp als allein ich will
thun, was in me[inen] Kräft[en], das ist alles. In meinem leztern ist die Aria von
Palma, so d[u] verlangt hast beygeschlossen, auch die Antwort vom Lapis, daß
er die Musiqs an Rezzani übermachet. Verwichenen OsterMondag \Sonndg [sic]/
ist die Janeton \Auretti/ mit einen hübsch[en] Jungen Franzosen, einen Dänzer in
einer tavern zusammen gekommen, allwo sie unterweil[en] sie den Geistlich[en]
und 2 Zeig[en] \1/2 Stunden lang ganz allein/ erwartet, unfehlbar die Heirath
vor der Copulation werden vollzogen haben, die Mutter hat sie zwar ertappet,
und die Zeügen und den Geistlich[en] dort angetroffen sie h nach Haus geführt,
und wie man sagt jämerlich zerpeitscht. gestern aber hat sie Vatter und Mutter in
aller Fruhe nach einen Closter geführt, glaublich nach Frankreich. Dieses leztere
hat mir ihr Bruder, der sich jezt groß macht, vertrauet. Die Eltern sind Narrn, sie
solten sich nach geschehener Sachen, bequemen. Es heißt aber, das Mädl sage, sie
habe es darum gethan, um von ihren Eltern zu kommen, die sie nur einem gros-
sen Herrn zum maitenir[en] aufheb[en] woll[en], und dieses kan leichtlich in
offentlich[en] Zeittung[en] erscheinen. Gott bewahre Uns und alle getreüe Eltern
von dergleich[en] Creüz. Adieu ich küsse dich zu 1000 mahl[en], liebe mich, wie
ich dich dein bis in Tod getreüer Pirker[.]
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung und Tintenfraß.
THEMENKOMMENTAR:
Da Giuseppe Jozzi zu spät für ein reguläres Engagement vom Festland nach Lon-
don zurückgekehrt war und sich die Aussichten auf eine von Antonio Campioni
veranstaltete Opernsaison am Little Theatre nicht zuletzt durch den „Bottle Hoax“
zerschlagen hatte, war er darauf angewiesen, mit Konzerten Geld zu verdienen.
Seine Förderer, die Burlingtons , waren allerdings abwesend, weshalb sich die
Organisation als schwierig erwies. Bei seiner Bitte an Marianne, sich für Jozzi
bei Mingotti zu verwenden, hat Franz ein ungutes Gefühl, weil seine Frau wohl
einmal mit dem Impresario eine Affäre hatte. Sie soll deshalb andere Gründe vor-
schützen, etwa ein konkurrierendes Angebot aus Stuttgart.
Die Affäre um die Bezahlung der von Gluck bestellten Uhr ¿ndet in diesem
Brief ihr vorläu¿ges Ende: Cyrill Wych zahlt aus Unmut über die neue Liaison
seiner Mätresse Beccheroni mit Gluck kein Geld aus. Die Episode rund um
die Tänzerin Janneton Auretti zeigt, wie sehr auch in Künstlerkreisen Eheschlie-
ßungen dem Versorgungsprinzip unterlagen.
EINZELSTELLENKOMMENTAR:
< > Monsieur de Teibern Secretaire de Legation de Sa Majesté le Roy de
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur