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536 Edition der Briefe
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110 wenn ich ihn in [se]lber Zeit tormentirt hätte. Das Orchester ist 4, und die Dänzer
8 Abend nicht bezahlt [w]orden, und dennoch gedenkt der Hund auf neüe Opern
übers Jahr. Es muß aber ein Banquier Bürg seyn, ich hoffe mit selben negotiren zu
können, daß er auch mein B[illet] nimmt mittelst eines meiner Freünden, dieses
ist die einzige geringe Hofnung so ich habe. Bedenke, und beherzige recht meinen
betrübten und elenden Staat in dem ich stecke und ich wei[ß] nicht wie du so ohne
Barmherzigkeit seyn kanst, und mich noch beschuldig[en] und als einen n[arr] en
zu tractiren, auch zu schreiben, ich solle was ich kan nach Hamburg schicken? Mit
wa[s Ge]ld? Mit was Credit? der für den Milord und alle theater Leüte däglich
und stündlich mehr [f]ällt. Jozzi wundert sich auch hierüber, und sagt, wir beede
sind ja dermahlen nicht im Stand ein Stückl Bänder geschweigenst was anders
einzukauffen. Könte ich mein Blut zu Geld mach[en], so wolte ich mir gern alle
Augenblick zur Ader lassen, um deine Comissio[ne]s auszurichten. Solte sich ein
miracl [ereig]nen, so solte keine minute versäumet werd[en], [alle] menschliche
Vernunft und Kräft[en] w[erde] ich \auch/ nach Möglichkeit anspannen zu dem
Ende. [S. 3] Die Rechnung habe ich heüte unmöglich g[ar] fertig machen, und
ausziehen können, mit nechster Post aber solst du ganz gewis einen s[olc]hen
Extract bekommen, in welchen \du/ wie einen Spiegel alles und forderst wirst
sehen können, daß ich für mich selbsten so wenig aufgewendet, als immer mög-
lich, diese Arbeit war auch Ursach, daß ich Signor Mingotti nicht geschrieben.
Jozzi hat mich ein und anders gekostet, und seinetweg[en] habe ich auch hier
im Hause grössere Ausgaben gehabt als ich zuvor gewohnt war. Ich lese deine
Brieffe nicht obit[er] hin, da hast du wieder unrecht. Die GegeneinanderHaltung
der Brieffe wird es zeigen. Was wilst du zu Cöln machen? du bist ja aus der
Marcheroute. Wegen der UhrKetten haben wir dazumahl geglaubt im Stande zu
kommen, dir ein regal damit zu mach[en], destwegen habe dir den Preys nicht
geschrieben. Sie kostet ein lb St[erling][.] Gott lob ich weis, daß du den Brief,
so ich durch den Dänisch[en] Secretair geschicket habe, erhalt[en] hast, es ist
der von 25t[en] Feb[ruarij][.] Ich glaube es gar zu gerne, daß an vielen Sachen ein
grosser pro¿t zu mach[en] wäre, aber ach Gott? was soll ich thun? wie schon
obe[n]gemeldet. Ich werde morg[en] nach ein[em] Hamburger Schif fragen. Daß
die Turcotti die Höffe abbrennen will, ist mir nicht gar zu lieb, denn wir woll[en]
es auch thun, wenn Gott will. Jozzi läst sich dir 1000mahl empfehl[en], und
bedank[en] für das was du in deinem lezten gemeldet. Er sagt ohne Richtigkeit
id e[st] Sicherheit kan er mit Ehren nicht wieder von hier abgehen, also müste er
von Herrn Peter einen Brief, so für einen Contract giltig, empfangen, daß er künf-
tigen Winter, wo er Opern machet als erster Mann aufgenommen seye, er müste
auch die Preyse benennen für Brüssel, Holand, od[er] Hamburg, im erstern glaube
ich vierhundert und fünfzig Goldgulden würde nicht zu viel seyn, die andern um
50 weniger. Dieses aber ist nur belaü¿g [sic] me[i]ne Meinung, ich habe ihm
so dergleichen geredet, lasse dich nichts merken, noch viel weniger giebe seine
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur