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60 Opern so einrichtete, daß Mingotti als aus Befehl des Hofes obligirt würde dich
prima Donna in selben machen zu lassen, welches man ihr pr vio [S. 2] konte
wissen lassen. Ich habe ihm nicht gerathen, er aber macht seine völlige Rechnung
darauf, und \ich/ habe heüt dem Mingotti auf rechte gescheide Art geschrieben
dessentweg[en] \Statt seiner/, und lasse ihms zum überlegen über, und zu thun
was er will, er solle ihm unter der Adresse des Herrn Rooss nach Amsterdam
antworten, auch dir schreiben davon. Mit einem Wort: wenn du auf alle Weis
nicht wilst daß er komme, so vertraue ich dir in geheim, daß der einzige Punct
alles aufheb[en] kan, daß er nemlich nicht bey Hof aus Schuldigkeit und aus
Befehl des Impres[ario] sing[en] will, diesen punct gehet er absolutè nicht, ein,
hernach begehrt er 500 D[u]c[a]t[en] welches nicht zu viel, die Reisunkosten hin
und her bis Haag und Hol[land][.] wilst du dich dieses obig[en] punct[en] ge-
brauch[en] um alles zu zernicht[en] so kanst du es thun, siehe aber zu daß es
dich nicht reüet, denn ihr kommt nimermehr zusammen, von diesen Punct hat er
dem Impres[ario] nichts geschrieben, und dissimulirt, weil er auch nichts davon in
seinen Brief meldet. Hier hast du das Geheimnis wenn du ihm schaden wilst.
Er will nach Holl[and] gehen <x> Freydag über 8 Däg, und dorten die Antwort
erwart[en]. Er sagt beständig daß er mit dir einen Cassa, und ein Haus machen
will[,] also hat er viel so hast du es auch, in somma er ist wied[er] halb lebendig
über deinen Brief word[en], und will mit Uns leb[en] und sterben. Alle Vorruck
und alles achte ich nicht, nur allein hat er wegen des wegens wegen mit dem
Mingotti kein gutes Blut, du verstehst [S. 3] mich schon, dieses ist der härteste
punct aufzulösen, alles übrige wird sich wohl geb[en]. Die Aloysia verliert und
gewint alles bey diesem Spiel. künftig[en] Postdag werde dir mehr schreib[en],
und die Ursach warum ich so eil[en] und schmieren müssen. Adieu ich küsse dich
1000mahl h in Gedanken, liebe mich wie ich dich, als der ich bin \dein/ bis in dott
getreüer Pirker[.]
Monsieur Jozzi emp¿ehlet sich schönstens, wird auch künftigen Postdag
schreib[en]. ihm schreibe gleich unter der Adress von Monsieur Rooss du kanst
auch zu mehrer Sicherheit meinen Brieff in seine einschliessen, so schickt er sie
mir und kosten weniger.
Numerire wie ich deine Brief und antworte allzeit den wievelt[en] Numero du er-
halt[en].
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung und Tintenfraß.
THEMENKOMMENTAR:
Mit diesem Brief knüpft Franz an sein vorhergehendes Schreiben an seine Frau
(vom 13. Mai 1749, 140) an und wiederholt seine Ideen hinsichtlich der weite-
ren Vorgehensweise in den Verhandlungen um Giuseppe Jozzis Engagement bei
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur