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der Briefe
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30 Brief Nr. 167
Franz Pirker aus London an Marianne Pirker [in Stuttgart?],
17. Juni 1749
[ohne Adressierung]
No 8.
London den 17t[en] Juny A[nno] 1749.
Herzallerliebste Marianna.
Ich bin seit deinem lezten vom 29t[en] May \No 2./ von Ludwigsburg ohne Briefe
von dir. Ich habe auf selbes nach diesen Puncten zu antworten vergessen, da du
mir vorrückst, daß wir Uns wegen den 30 lb nicht bedanket. Du wirst es unter-
dessen in unsern Brieffen schon gefunden haben, und ich hoffe, daß du nicht
unzufried[en] seyn wirst, daß ich sie dem Jozzi vorgestrecket. Ich habe seine
accuratesse, und Begierde zu zahlen gesehen, wie sehr er immer gejamert, daß
er seinem Freünde in Frankreich nicht so, wie ers versproch[en], um selbe Zeit
einhalten können, nicht zwar aus Forcht, weil selber ihm hier weder was in
Weg legen können, noch solches jemahls gedacht, indem er ihm den höÀichsten
Brief von der Welt zugschrieben. Über dieses ist es mir aus andern Ursachen lieb,
daß es hat seyn können. Er hat Uns grosse VerpÀichtung dessentwegen: trage
also keine Sorge, dieses Geld ist nicht verlohren sondern wohl angelegt. Wegen
Händschuh[en] habe ich in meinem leztern geschrieben, denn ich habe gesehen,
daß der Cammerdiener vom Wych glassirte Wasch Händschuhe /: die just so
aussahen, wie deine so du beym Mann hier hast immer waschen lassen :/ nacher
Hamb[urg] schickte, wobey er mir sagte, daß er einen Thaler beym Duzent
gewinne. Sie kommen mir nicht so gar lang wie die vom theater, vor, allein ich
denke, daß wenig abgehe, und im solchem Fall, wolte ich sie ein wenig länger
anfrimen, auch \mehr/ weiß, denn sie sind etwas gelb. Von der Uhr geschiehet
weiter keine Meldung mehr, und ich bleibe schon wieder ein Lügner beym Poy.
Wych hat mit der Tedeschina hier brav angebracht. jezt ist es alles wied[er]
aus, aber sie haben schon zum andertenmahl wieder Frieden gemacht. Ich hoffe,
du wirst so gewissenhaft seyn, und die arme Kinder in ihrer Religion nicht irre
machen, denn es ist ein unnöthiger Eiffer, wobey man nichts anders gewinnet,
als, daß sie, wenn sie erwachßen, weder warm noch kalt werden, und noch eines
noch das andere glauben. Du weist, daß ich hierin sehr mäßig, und selbst auf keine
Alfanzereyen nichts halte, noch sie darzu anstrengen wollen, lassen wir also jedes
glauben, was ihm seine Religion in wahren HauptPuncten lehret, und worinnen
sie gebohren, und auferzog[en] worden, so glaube ich ganz gewis, daß wenn man
Christlich lebet, daß man ganz wohl in allen Christlichen Religionen könne selig
werden. Dieses glauben auch die meisten mässige Catolicken, und andre Christen.
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur