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55 ihm die Reise [S. 3] unserseits defrajret word[en], erstlich nach Liechtenberg ge-
gangen seye. Wenn es gleich so zu sagen unterwegs, so hat er doch sehr am
gehörigen respect manquirt, und so zu sagen lauft eine meprisante distinction mit
unter. Bin curios wie er die Reisekösten, bis Stutgart, vieleicht wie das Schmier-
und Trinkgeld zur See von Ancona bis Venedig einrichten werde? Vergesset ja
nicht auf das manutimento, solches nur vermög Unkösten auf eine, in portio-
nen aber auf 2 Personen zu accordiren. Diesen Augenblick komme ich von der
Romaner Post, und damit ich die von Fiandra nicht versäume, schreibe nur kurz
den Inhalt. Jomelli schreibt mir von Rom vom 7t[en] hui[us] daß er über 8 täge
nemlich den 14t[en] von dort aufbrechen, über Bologna, Mantova, und Verona
gehen werde, in welchen leztern er will daß ich mit ihm alldorten den 20t[en]
hui[us] mich accompagniren soll. Er pr tendirt, daß dieses der nechste Weg,
über Venedig \aber/ um seye. Des Pasqualino Bruder schreibt vom 9t[en] hui[us]
von Pesaro, daß er Nachricht von Rom habe, daß der Cardinal die permission
mit grösten Eyffer betreibe, und daß er sich zu diesem Ende ein Attestatum
Medicum von Pesaro habe kommen lassen, und daß die gröste Hofnung seye,
daß er reussir[en], und beede Brüder kommen werden. Zugleich aber avisirt er
mich, daß Pasqualino in Bologna eine grosse Krankheit ausgestanden habe, aber
dermahlen zwar besser, aber sehr schwach seye, als denn kommt er erst nach
Pesaro, dort mus er purgir[en], und hernach wird er sich auf die Reis begeben.
Jomelli heisset \mich/ gehen, und Pasqualino wart[en]: Was ich soll ich thun?
wie soll ich reisen? Gott gebe mir das beste ein, in der Geschwindigkeit der
Zeit kan ich mich nicht resolvir[en], ich mus alles recht überlegen, übermorgen
aber werde was positives schreiben, indessen erwarte ein anders von Jomelli auf
mein lezteres. Adio Meine gewönliche Compliment an alle ich bin dein getreuer
Pirker[.]
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung.
THEMENKOMMENTAR:
Diesen Brief schrieb Franz während seines Italienaufenthaltes im Jahr 1753, der
u. a. der Anwerbung von Musikerpersonal diente. Zunächst reiste er, begleitet von
Marianne, im Gefolge Herzog Carl Eugens von Württemberg und seiner Frau
Elisabeth Friederike Sophie , auch wenn die Namen der Musiker nicht als Teil
der Gesellschaft aufschienen. Er blieb dann aber noch länger in Venedig, wäh-
rend seine Frau mit dem herzoglichen Paar zurückfuhr. Die Reise des Herzogs be-
gann am 28. Februar 1753 und führte ihn über Venedig und Rom bis nach Neapel.
Am 14. Juni des Jahres kam die Reisegesellschaft wieder in Stuttgart an.
Die von Franz kommunizierten Informationen stammen aus seinem italieni-
schen Umfeld, sind aber im Detail nicht alle korrekt. Die Bezeichnung „Pastoral“
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur