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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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Anerkennung als Opfer und Überwindung von Viktimisierungen:     113 gleichberechtigt interagieren. Das Überwinden einer mit Passivität verbundenen Opfer position, wie es sich Gamze Kubaşık wünscht (2014, 121), scheint – so legt es die Inszenierung nahe – möglich. Nichtsdestotrotz werden am Ende beim erneu- ten Erscheinen der Lücke im Bühnenbild auch die Grenzen des vorgeführten Entwicklungsprozesses von (unbewussten) Viktimisierungen zu einer gemein- samen produktiven Auseinandersetzung angedeutet: So wie die Auflösung der Lücke in der Inszenierung auf die Zeit der Aufführung beschränkt ist, schließt der Entwicklungsprozess zunächst nur die an der Entwicklung des Theaterpro- jekts beteiligten Personen und nicht die gesamte Gesellschaft ein. Nicht unprob- lematisch erscheint es zudem, dass die Inter aktion von den Schauspieler*innen, die die deutsche Mehrheitsgesellschaft repräsentieren, gesteuert wird. Grundle- gende Machtverhältnisse werden also nicht aufgebrochen. Auch wenn sowohl Urteile als auch Die Lücke den Fokus auf die Per spektiven von Angehörigen der Opfer des NSU bzw. von Betroffenen richten, setzen sie doch unterschiedliche Schwerpunkte, die von der Anerkennung als Opfer von v.a. ins- titutionellem Rassismus bis zur Überwindung von Viktimisierungen reichen. Ihre dokumentarische Form, die einen Wirklichkeitsbezug mit künstlerischer Überfor- mung verbindet, ermöglicht es, nicht nur das Spannungsfeld der Positionen von Hinterbliebenen der NSU-Opfer, sondern auch die Komplexität, die theoretisch mit dem Begriff des ‚Opfers‘ verbunden ist, abzubilden. Literaturverzeichnis Calis, Nuran David. Die Lücke: Ein Stück Keupstraße: 18 Opfer – 18 Bilder. Frankfurt a.  M.: Fischer, 2014a. Calis, Nuran David. „Die Lücke“. Hundertvierzehn: Das literarische Online-Magazin des S.  Fischer Verlags, 18. Juni 2014b, http://www.hundertvierzehn.de/artikel/die-lücke_414. html (7. September 2018). Dreysse, Miriam, und Florian Malzacher. „Vorwort“. Experten des Alltags: Das Theater von Rimini Protokoll. Hg. Miriam Dreysse und Florian Malzacher. Berlin: Alexander, 2007. 8–11. Englhart, Andreas. Das Theater der Gegenwart. München: C. H. Beck, 2013. Fischer, Gabriele. „Betrauerbarkeit, Erinnerung und Gedenken an die Mordopfer des NSU aus anerkennungstheoretischer Perspektive“. Anerkennung und Sichtbarkeit: Perspektiven für eine kritische Medienkulturforschung. Hg. Tanja Thomas, Lina Brink, Elke Grittmann und Kaya de Wolff. Bielefeld: transcript, 2018. 121–135. Fischer-Lichte, Erika. „Die Wiederholung als Ereignis: Reenactment als Aneignung von Geschichte“. Theater als Zeitmaschine: Zur performativen Praxis des Reenactments: Theater- und kulturwissenschaftliche Perspektiven. Hg. Jens Roselt und Ulf Otto. Bielefeld: transcript, 2012. 13–52. Giglioli, Daniele. Die Opferfalle: Wie die Vergangenheit die Zukunft fesselt. Übers. von Max Henninger. Berlin: Matthes & Seitz, 2015.
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Title
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Editor
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
350
Keywords
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Category
Lehrbücher
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