Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Page - 157 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 157 - in Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945

Image of the Page - 157 -

Image of the Page - 157 - in Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945

Text of the Page - 157 -

157 wussten die Beamten sofort, wer er war. Meshulam musste wieder nach Gvat zurückkehren und lernen, dort zu leben.“442 Ungeachtet bei der Kritik am Verhalten und an der Verfasstheit der österrei- chischen Immigrantinnen und Immigranten seitens der Organisatoren blieben augenscheinlich die Umstände der Flucht, die im Vergleich zu jenen deutscher Teilnehmerinnen und Teilnehmern noch einmal ungünstiger waren und in die die zuständigen Stellen in Palästina wenig Einblick hatten: Erstere flüchteten zumeist Hals über Kopf, nachdem sie und ihre Angehörigen massiver nationalsozialisti- scher Verfolgung ausgesetzt worden waren, und sie ließen häufig Familienmitglie- der zurück. Folgen dieser traumatischen Ereignisse konnten schwere psychische und physische Probleme sein. Die strenge Auswahl der Kandidatinnen und Kan- didaten kann zum Teil mit dem Erfolgsdruck gegenüber der für die Einwanderung verantwortlichen britischen Mandatsregierung erklärt werden; die Intention der Organisatoren war allerdings gewiss auch eine beinharte Anpassung der Jugend- lichen an die an das Programm geknüpften zionistischen Ideale.443 Auch muss angezweifelt werden, dass die für die Untersuchungen und Befragungen herange- zogenen „Vertrauensärzte“ und Pädagoginnen und Pädagogen ein hohes Maß an Einfühlsamkeit gehabt haben. Ein nicht nur auf die österreichische Jugend-Alijah bezogenes Problem bestand im Zusammenhang mit den religiösen Kandidatinnen und Kandidaten. Aufgrund der mangelnden Anzahl an Plätzen, die sich  – sowohl in Österreich als auch in Palästina  – für die Unterbringung und Ausbildung von strenggläubigen Jugendli- chen eigneten, wurden diese zwangsläufig in nicht-religiöse Siedlungen eingeord- net, wo die Gebote allerdings nicht oder nur sehr schwierig eingehalten werden konnten. Als Reaktion darauf, dass sie ihren Überzeugungen und Gebräuchen nicht treu bleiben konnten, zogen sie sich vielfach von der Gruppe zurück. Da sich die beschränkten Unterbringungsmöglichkeiten auch auf die Zertifikatszahl auswirkten, verschwiegen die Kinder bei der Anmeldung zur Alijah nicht selten ihre Religiosität, obwohl diese unter Anwesenheit der Eltern und eines Vertreters des religiösen Komitees unbedingt angegeben werden musste, wollten danach in Palästina aber gemäß den Glaubensvorschriften leben.444 Insgesamt fiel es vermutlich jenen Jugendlichen leichter, in Palästina „anzukom- men“ und sich zu integrieren, die im Herkunftsland eine gewisse Zeit einem zio- nistischen Jugendverband angehört hatten. Im Zuge der Vorbereitungskurse waren Vorstellungen über die Lebensverhältnisse und zumeist gewisse Hebräischkennt- nisse vermittelt worden. Trotzdem konnten alltägliche Dinge, wie das ungewohnte Klima und Essen, vielen Schwierigkeiten bereiten. Die mit einer Gruppe von Wiener Jugendlichen im November 1939 nach Palästina geflohene Eva Levy beschrieb ihre Wahrnehmungen in der ersten Zeit im Kibbuz Kiriat Anavim wie folgt: 442 Rath, Erinnerungen, S. 45 f. 443 Anderl, Emigration, S. 231. 444 Henrietta Szold an Juda Weissbrod, 30. 10. 1938. CZA, S75/1141, S. 326 f. Vgl. Anderl, Emigration, S. 237f; Amkraut, Youth Aliyah, S. 129–140.
back to the  book Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945"
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Title
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
Subtitle
Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Author
Victoria Kumar
Publisher
Studienverlag Ges.m.b.H.
Location
Innsbruck
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7065-5419-0
Size
15.6 x 23.4 cm
Pages
216
Keywords
Palestine/Israel, Aliyah/Zionism, Jewish history of Austria, National Socialism in Austria, Palästina/Israel, Alijah/Zionismus, Jüdische Geschichte Österreichs, Nationalsozialismus in Österreich
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht