Page - 166 - in Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Image of the Page - 166 -
Text of the Page - 166 -
166
Aktivitäten des „Mossad“ war Mosche Agami (Averbuch), der ursprünglich als
Emissär nach Wien entsandt worden war, um an der Vorbereitung der Auswande-
rung mitzuwirken und sich dann in die Dienste des „Mossad le ‚Alija Beth‘“ stellte.
Mit dem ersten Transport im März 1939 gelangten 400 Personen über Jugosla-
wien nach Palästina, der zweite blieb aufgrund britischer Intervention erfolglos.
Mit dem tragischen Ausgang des „Kladovo-Transports“, dessen Scheitern in erster
Linie durch organisatorische Unzulänglichkeiten bedingt war471, fanden die „Alijah
Beth“-Aktivitäten des „Mossad“ ein Ende.
Die „Alijah Beth“-Arbeit der zionistischen „Revisionisten“
Der durch den Austritt aus der Zionistischen Weltorganisation herbeigeführte Aus-
schluss von der Zertifikatsverteilung einerseits und die zu einem ihrer Hauptziele
definierte rasche Masseneinwanderung nach Palästina andererseits führten zwangs-
läufig dazu, dass die „Revisionisten“ zu den Hauptinitiatoren der illegalen Palästina-
Wanderung wurden.472 Im Gegensatz zur ambivalenten Haltung anderer jüdischer
und zionistischer Gruppierungen sprachen sie sich dezidiert für eine organisierte
„Alijah Beth“ aus, in erster Linie um ihr kompromissloses politisches Programm
zu verwirklichen, aber auch um ihrem Protest gegenüber der britischen Palästina-
Politik in Form von praktischen Aktionen Ausdruck zu verleihen. Mehr noch würde
diese Form der Immigration nach Vladimir Jabotinsky zur Formung des „zionisti-
schen Charakters“ beitragen, da dadurch Selbstkontrolle über das eigene Schicksal
erlangt werden könnte.473
Noch vor dem Zerwürfnis mit der Weltorganisation fühlte sich der „revisionis-
tische“ Jugendbund „Betar“ bei der Vergabe von Einwanderungsgenehmigungen
übergangen und sah die der zionistischen Linken zugehörigen Verbände eindeu-
tig bevorzugt behandelt. Die seit Beginn der 1930er Jahre beträchtlich gestiegene
Anzahl speziell an osteuropäischen „Betarim“, die nach Absolvierung des besonders
straffen Ausbildungsprogrammes ihre Alijah antreten wollten, veranlasste die „Revi-
sionisten“ im Jahr 1934 zur Organisation illegaler Einwanderergruppen sowohl auf
471 Der überwiegend aus österreichischen, deutschen und polnischen Jüdinnen und Juden bestehende
Transport gelangte Ende 1939 über die Donau ins jugoslawische Kladovo. Von den rumänischen
Behörden an der Fahrt bis zum Schwarzen Meer gehindert, harrten die Flüchtlinge in Erwartung
des Eintreffens eines für die Weiterreise bestimmten Schiffes mehrere Monate in der Hafenstadt
aus, bis sie im September 1940 nach Sabac verlegt wurden. Abgesehen von ca. 250 Jugendlichen, die
durch von der Jewish Agency ausgestellte Zertifikate gerettet werden konnten, wurden sämtliche
„Kladovo-Passagiere“ von Truppen der 1941 nach Jugoslawien einmarschierenden Wehrmacht
ermordet. Grundlegend dazu Gabriele Anderl/Walter Manoschek, Gescheiterte Flucht. Der „Klado-
vo-Transport“ auf dem Weg nach Palästina 1939–1942, Wien 2001; Anderl, Emigration, S. 297–308;
Avriel, Open the Gates, S. 81–103; Perl, Operation Action, S. 176–215; Ofer, Holocaust, S. 42–58.
472 Zur „revisionistischen“ Alijah Beth siehe vor allem Victoria Kumar, „Kampf an vier Fronten“: Die
„Alijah Beth“ der österreichischen revisionistischen Zionisten in den 1930er Jahren. In: Gabriele
Anderl/Simon Usaty (Hg.): Schleppen, Schleusen, Helfen
– Flucht zwischen Rettung und Ausbeu-
tung, Wien 2016, S. 259–271; Perl, Operation Action; Ofer, Holocaust, S. 69–88.
473 Ofer, Holocaust, S. 69.
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
- Title
- Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
- Subtitle
- Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
- Author
- Victoria Kumar
- Publisher
- Studienverlag Ges.m.b.H.
- Location
- Innsbruck
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7065-5419-0
- Size
- 15.6 x 23.4 cm
- Pages
- 216
- Keywords
- Palestine/Israel, Aliyah/Zionism, Jewish history of Austria, National Socialism in Austria, Palästina/Israel, Alijah/Zionismus, Jüdische Geschichte Österreichs, Nationalsozialismus in Österreich
- Categories
- Geschichte Nach 1918