Page - 177 - in Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Image of the Page - 177 -
Text of the Page - 177 -
177
der „Alijah Beth“ nach Palästina gelangten, wurden auch andere Daten erhoben –
beispielsweise waren knapp zwei Drittel männlich und wanderten (bezogen auf
die familiären Verhältnisse) alleine ein, mehr als ein Drittel war zwischen 21 und
30
Jahre alt. Im Hinblick auf die Herkunft der Jüdinnen und Juden wurde ermittelt,
dass 4.561 aus der Tschechoslowakei kamen (30,5 Prozent), 2.471 aus Polen (16,5
Prozent), 2.187 aus Österreich (14,7 Prozent), 1.715 aus Deutschland (inklusive
Danzig, 11,5 Prozent), 1.334 aus Rumänien (8,9 Prozent), 1.302 aus Ungarn (8,7
Prozent) und 769 aus Bulgarien (5,2 Prozent). 483 „Ma’apilim“ stammten aus ande-
ren Ländern (3,1 Prozent), 132 waren staatenlos (0,9 Prozent) und von 3.194 lagen
in dieser Kategorie keine Angaben vor.509 Die israelische Historikerin Dalia Ofer
gibt für den Zeitraum 1919 bis Mai 1948 mehr als 100.000 illegale Einwanderinnen
und Einwanderer an.510 Allein im Zeitraum 1938 bis zum Kriegsbeginn im Septem-
ber 1939 kamen 40.147, darunter 17.240 auf illegalen Wegen. Aufschlussreich sind
auch die Zahlen zum Anteil der „Alijah Beth“ an der gesamten Auswanderung bzw.
Flucht aus den nationalsozialistischen Gebieten („Altreich“, „Ostmark“, „Protekto-
rat Böhmen und Mähren“): 7,4 Prozent der 257.878 in dieser Periode geflohenen
Jüdinnen und Juden immigrierten illegal nach Palästina, davon waren 70 Prozent
aus Deutschland und Österreich.511 Aufgeteilt auf die einzelnen Jahre stellt sich der
Umfang der „Alijah Beth“ von 1939 bis 1942 wie folgt dar (in Klammern die legal
Eingewanderten): Zwischen Januar und August 1939 wanderten 6.286 „Ma’apilim“
(12.313) ein, bis Jahresende zusätzliche 4.330 (4.092), 1940: 3.851 (4.547), 1941:
2.239 (3.641) und 1942: 1.539 (2.194). Dass für die Jahre 1943 und 1944 keine
Zahlen verfügbar sind, erklärt Ofer dahingehend, dass die Flüchtlinge in der Regel
via Istanbul reisten und dort mit Zertifikaten ausgestattet wurden. Während des
Zweiten Weltkriegs immigrierten 50.000 Jüdinnen und Juden nach Palästina, 16.500
kamen mit der „Alijah Beth“ ins Land. 1.200 sollen beim Versuch, illegal einzu-
wandern, umgekommen sein.512 Jonny Moser geht unter Berücksichtigung einer
Reihe von Quellen von 6.000 bis 7.000 österreichischen Jüdinnen und Juden aus,
die zwischen 1938 und 1940 illegal nach Palästina emigriert sind.513
509 Statistical Handbook of Jewish Palestine, S. 110.
510 Sie bezieht sich dabei auf britische Statistiken, wonach von den zwischen 1919 und 1948 insgesamt
immigrierten 485.800 Jüdinnen und Juden ca. 77.000 illegal einwanderten. Dazu kamen 30.000
„Ma’apilim“, die u. a. als Touristinnen und Touristen ins Land kamen und nicht wieder ausreisten.
Ofer, Holocaust, S. IV und VII.
511 Ebda., S. 14; vgl. Anderl, Emigration, S. 259.
512 Ofer, Holocaust, S. 318 f.
513 Moser, Demographie, S. 69.
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
- Title
- Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
- Subtitle
- Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
- Author
- Victoria Kumar
- Publisher
- Studienverlag Ges.m.b.H.
- Location
- Innsbruck
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7065-5419-0
- Size
- 15.6 x 23.4 cm
- Pages
- 216
- Keywords
- Palestine/Israel, Aliyah/Zionism, Jewish history of Austria, National Socialism in Austria, Palästina/Israel, Alijah/Zionismus, Jüdische Geschichte Österreichs, Nationalsozialismus in Österreich
- Categories
- Geschichte Nach 1918