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Nach 1918
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
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Page - 192 - in Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945

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192 kritisiert. Schon Vertreter früher Einwanderungswellen sahen sich mit dem Vor- wurf konfrontiert, keine überzeugten Zionisten zu sein, die Diaspora nach Palästina „transferiert“ zu haben und den zu diesem Zeitpunkt sozialistischen Charakter des Yishuvs zu gefährden. Die besonders seitens der zionistischen Arbeiterbewegung verfolgte selektive Einwanderungspolitik, wonach in erster Linie umfassend vor- bereitete Pioniere ins Land gelassen werden sollten, war speziell nach 1933 nicht mehr haltbar und das „avantgardistische und elitäre Konzept des Pioniertums“ musste weitgehend verworfen werden.544 Auch seitens der Ankommenden galt es, die Erwartungen und Wünsche an Aufnahmeland und -gesellschaft zu korrigieren oder zumindest zurückzuschrauben. „Das Bewusstsein, mit ihrem Heimatgefühl einem Irrtum aufgesessen zu sein und nun in ein fernes Land emigrieren zu müssen, war für sie eine Katastrophe  – ein Abstieg und nicht ein „Aufstieg“ […].“545 Die Alijah hatte vorrangig eine Rettungsfunktion und brachte weniger die von den Zionistinnen und Zionisten mit der Einwanderung nach „Erez Israel“ implizierte persönliche „Höherentwicklung“ einer jeden Jüdin und eines jeden Juden. Die vorangehenden Ausführungen sollen die einzigartige Bedeutung Palästinas in der jüdischen Migrationsgeschichte verdeutlichen. In all ihren Phasen wies die Palästina-Wanderung einen „doppelten Charakter“ auf, der sich durch das Auf- einandertreffen von der Fluchtbewegung für die verfolgten Diaspora-Jüdinnen und -Juden und der Verwirklichung der zionistischen Ideen ergab. Bedeutung kam „Erez Israel“ zudem aufgrund der religiösen Komponente zu  – die Entste- hung der jüdischen Diaspora außerhalb des „Landes Israel“ markierte gleichzeitig den Beginn der „Zionssehnsucht“, der Hoffnung auf eine Rückkehr eben dorthin. Schließlich wird der besondere Stellenwert Palästinas auch durch die im Kontext der jüdischen Palästina-Wanderung auftauchende zionistische Terminologie deutlich. Angesichts der geringen Anzahl österreichischer Jüdinnen und Juden, die noch vor 1938 nach Palästina auswanderten, ist der beschriebene „doppelte Charakter“ von Migrationsbewegungen nach Palästina für die österreichische Alijah weniger kennzeichnend. Als entscheidendes Motiv für die in den 1930er Jahren erfolgte Auswanderung muss  – neben wirtschaftlichen Beweggründen  – das zunehmend antisemitisch geprägte politische und gesellschaftliche Klima des zwischenkriegs- zeitlichen Österreichs angesehen und die Emigration in weiten Teilen als „präven- tive Flucht“ charakterisiert werden. Für mehr als 15.000 österreichische Jüdinnen und Juden wurde Palästina nach dem „Anschluss“ ein weitgehend beliebiger, aber rettender Zufluchtsort, der nach wenigen Monaten der nationalsozialistischen Herr- schaft in Österreich als einzige Fluchtmöglichkeit geblieben war. 544 Avineri, Zionismus, S. 238. 545 Segev, Die siebte Million, S. 52.
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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Title
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
Subtitle
Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Author
Victoria Kumar
Publisher
Studienverlag Ges.m.b.H.
Location
Innsbruck
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7065-5419-0
Size
15.6 x 23.4 cm
Pages
216
Keywords
Palestine/Israel, Aliyah/Zionism, Jewish history of Austria, National Socialism in Austria, Palästina/Israel, Alijah/Zionismus, Jüdische Geschichte Österreichs, Nationalsozialismus in Österreich
Categories
Geschichte Nach 1918
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