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Nun lehrte er nach Polen zurück, und da er denKrakauer Bischof Pe-
trus Tomicius von einer schweren Krankheir befreyte, belohnte ihn
seiner Jugend aus
der Ausgabe des lateinischen Gedichts: Concilium animalium von
Ioh. Dubraw, Krakau, 1521 und mit lateinischen Sinngedichten,
die in der Sammlung: ^anno^ia« luctuz, c^uo srinci^um 6t in-
5^nium virorum mc)lt68 ^eplorantur, stehen. In seinem reiferen
Alter schrieb er ein größeres lateinisches Lehrgedicht: cle luentia dona vale-
w^inv in Hexametern, an seinen MäcenPetrusTomicius, Bischof
von Krakau und Kanzler des Königs von Polen, Krakau 1535, und
bald^ darauf eine Elegie auf den Tod dieses Bischofs, eb. 1525. Im
I. 1526 liesi er zu Krakau eine Elegie auf den verstorbenen Eras-
mus von Rotterdam drucken, der durch A. mit dem BischofTo m i-
cius in Briefwechsel stand. — Die Mitschüler und gelehrten Freunde
A.'s waren: der Ungar Georg Werner, der Schlesier Lang und
der Rhatier Valent in Eck, sämmtlich Dichter. Auch der polnische
Dichter Ianoci schätzte ihn sehr und schrieb auf ihn eine Elegie, die
in seinen 1>i5Ubu3 vorkommt.
Anyos, Ioh. Paul , ward im Dec. 1756 zu Esztergär
bey Wesprim von adeligen Altern geboren; besuchte die Elementar-
schulen zuRaab und Papa, trat 1772 in denPaulinerorden, und ging
1773 auf dieTyrnauerHochschule, wo er 1776, in seinem 20. Jahre, den
Doctorhut der Philosophie erhielt. Hier war es auch, wo Bessenyei's
und Baroczy's Schriften zuerst das in ihm schlummernde Feuer er-
weckten, und sogleich übersetzte er, um sich im Technischen zu üben,
Mehreres aus Ovid. Später erst gewann er V i rg i l , Horaz, inson-
ders aber Lucan lieb, und theilte zu aufrichtiger Beurtheilung die
Erstlinge seiner eigenen Muße Barcsay mit, den er in Tyrnau per-
sönlich kennen lernte, und der, das schöne Talent des Jünglings sogleich
erkennend, sein Meister und Freund wurde, und ihm Orczy's und der
übrigen damahls lebenden Dichter Freundschaft verschaffte. Nach Übertra-
gung der Universität nach Ofen 1777, hörte A. allda die Theologie,
primicirte, und ward in das Kloster Felsö-Elefänt im Neutraer
Comitat, gesandt. Hier zwischen hohen Bergen und dichten Wäldern,
von der Welt und feinen Freunden getrennt, nur in der Gesellschaft sei-
ner Ordensbrüder lebend, unter denen er keine verwandte Brust fand,
sing er nur zu bald zu fühlen an, wie wenig seine Standeswahl seiner
Individualität zusagte; dieses Bewußtseyn trübte seine Gemüthssiim-
mung, und der herbe Schmerz, durch Philosophie gemildert, machte
ihn zum elegischsten Dichter seiner Nation. Schon 1732 versetzte man
ihn nach Stuh lweissenburg, wo er am Gymnasium lehrte, allein
seine Gesundheit, durch physische Krankheit angegriffen, ward durch die
dortige, von den damahls noch nicht ausgetrockneten Sümpfen verunrei-
nigte Luft nun untergraben. Vergebens war jede ärztliche Hülfe, ein
früher Tod ereilte ihn zu Wesprim den 5. Sept. 1784. A. war von der
Natur für Geselligkeit und Lebensfreude geschaffen, äußerst gefühlvoll.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie