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gerade, wahr und treu, und liebte Ehre und Nuhm. Ein leiser Anstrich von
Leichtsinn im Äußeren gab dem noch blühenden Jüngling einen eigenen
Neiz. Schon bcy seinen Lebzeiten wurden mehrere seiner Gedichte ein-
zeln gedruckt (1778 — 83). Nach seinem Tode gab zuerst I gn . von
Nagy , Bischof zu Stuhlweissenburg/ seine geistlichen Oden her-
aus, dann gelang es Batsäny i , mit bedeutender Mühe, den größe-
ren Theil seiner Handschriften zu sammeln, und er gab sie zu Wien
1793, äußerst geschmackvoll ausgestattet, unterdem Titel heraus: ^1^05
I>ä1' munliäji; sie enthalten grösitentheilsEpisteln, Elegien und Lieder. A.'s
Gedichte sind sanft und lieblich. Er war ein zarter magyarischer Dichter,
Sentimentalität ist ein Hauptzug seines dichterischen Charakters; das
Colorit ist so zu sagen ein kostliches Clair-obscur (Helldunkel); aberftme
Syntax ist geschraubt und seine Sprache in dem transdanubianischen
Dialect, der dem TheisierDtalect an Reinheit undCorrectheit weit nach-
sieht. Doch kann er auch in der trefflichen Wahl der Wörter ein großer
Meister genannt werden.
Apafi von Apa Nagy Falu, I. und I I . , Michael, Für-
sten von Siebenbürgen. — Als Ioh . Kemt^ny, Fürst von Siebenbür-
gen, am 23. Jan. 1662 bey N a g y S z ö l l ö s Schlacht und Leben ver-
loren, blieb 1) Michael A. I., am 16. Nov. 1661 wider seinen Willen
auf Andrangen des VezirsAli , zu Maros Väsärh ely, von eini-
gen ungarischen Edlen und den sächsischen Abgeordneten zum Fürsten Sie-
benbürgens erwählt, im ruhigen Besitz dieser Würde. Er war aus einer
der minder angesehenen Familien des Landes entsprossen, hatte früher den
Fürsten Georg I I . Rägoczy auf seinem verunglückten polnischen Hee-
reszuge begleitet, war lange in tartarischer Gefangenschaft gewesen, und
lebte zur Zeit seiner Erwählung ruhig im Achooße seiner Familie auf sei-
nem Erbgute Apafa (dem heutigen Elisabeth st ad t). Nach Ketne-
n y's Tode vernichtete er alle von diesem erlassenen Verfügungen, und ließ
auf einer Ständeversammlung vom 10. März 1662 alle demHauseOster-
reich ergebenen Siebenbürger in dieA'cht erklären. Aber vergebens suchte er
in diesem und dem folgenden Jahre durch Unterhandlungen und durch die
Gewalt der Waffen, vereint mit einem türkischen Hülfsheer unter
Kucsuck A l i , die deutschen Besatzungen aus den festen Plätzen des
Landes zu verdrängen. Das türkische Hülfsheer ward vielmehr durch Er-
pressungen aller Art eine neue Geisiel für das ohnehin ausgesogene Land,
bis er endlich dem Hauptheere des Oroßvezirs K iup r i l i folgen mußte,
mit dem derselbe, in der stolzen Zuversicht, Osterreich zu vernichten/ nach
Ungarn zog. Auch A., als Schützling der Pforte, erhielt Befehl, dem
türkischen Heere zu folgen, und mußte ihn endlich, nach mancherley
Ausflüchten, doch befolgen; erhielt aber bald, unter demVorwande, die
deutschen Besatzungen aus seinem Lande zu vertreiben, Erlaubniß zur
Rückkehr. Wirklich waren bis zum 16. Febr. 1664 alle festen Plätze wieder
in seiner Macht, und ihm von den deutschen Besatzungen, die von ihrem
Vaterlande abgeschnitten, ohne Geld und Hülfe waren, übergeben.
st)
und durch
lacht bey
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie