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Fabri vollends ausbildete und während dieser Zeit in der umliegende,»'
Gegend häufig als Kanzelredner auftrat. Bereits hatte er sich durch ge-
wählte Leccü« und Übung zum Volks- und Lehrschriftsteller vorgebildet,
und den sehnlichen Wunsch nährend, einst in seinem Vaterlande ein
ähnliches Institut zu gründen, wie das Salz ma nn'sche in Schne-
pfenchal, sich mit diesem berühmten Pädagogen i,l Correspoudeuz ge-
setzt. Nach beendigten Vorstudien bezog G. die Universität Jena zu
Anfang 1796 und lebie mir ganzer Seele den wizsenschiftlicheli For-
schungen, bis er 179? von Salz mann den Antrag erhielt, eine E^zie-
herstelle zu Schnepfenthal zu übernehmen. Er nahm ihn mit dein
Vorsatze an, sich daselbst nur ein halbes Jahr zu verweilen und dann
noch ein Jahr auf der Hochschule zu Gött ingen zuzubringen, ailm»
auf Salzmann's freundschaftliches Dringen blieb er bis 1893 u>ner
den annehmbarsten Bedingungen, und von Jedermann hochgeachtet,
zuSchnepfenthal und machte auch auf seinenReisen durch meyrere Ge-
genden Deutschlands die persönliche Bekanntschaft der ausgezeichnetsten
Männer seiner Zeit. Als er zu Ende 1803 einen Ruf nach W i e n zum ober-
sten Lehrer der dasigen protestanilschen Schulanstalt erhielt, vermochten
ihn Vaterlandsliebe, und das Verlangen, seine Ältern wiederzusehen, den-
selben gegen einen zweyten, der ihn unter sehr vorlheilhaften Bedingungen
als Prediger nach preuß. Schlesien berief, anzunehmen und nachdem er
seine Vaterstadt und seine Angehörigen besucht hatte, begab er sich im
May 1804 auf seinen Posten nach Wien, nahm aber seiner vorherr-
schenden Neigung zum Predigerstande folgend, die im nächsten Jahre
erledigte drille Predigerstelle bey der evangelischenGemeindeA.C. daselbst
an, wurde schon nach einigen Monathen von derselben zum zweyten
Prediger gewählt und turzeZeitdarauf voinKaiserFranz zum geistlichen
Rathe bey dem landesfürstlichen Consistorium A. C. ernannt. Nachdem er
nun in diesem ehrenden und ausgedehnten Wirtungskreise durch 11 Jahre
ai.f das thätigste zu dein Wohl des protestantischen Kirchen- und Schul-
wesens beygetragen hatie, außercen^ie Beschwerden, die mit seiner Anstel-
lung als Prediger verbunden waren, nachcyeiligen Einfluß auf seine
Gesundheicsumstände, er sagce sich daher 1816 von den Pastoralgeschäf-
ten ganz los und wollte auch die Sielle im Consistorium niederlegen.
Der Wunsch seine Sohne in Ungarn erziehen zu lassen, bewog G. 1824
seine Familie nach Preßburg zu üdersieoeln, und er lebte von dieser
Zeil an abwechselnd bald daselbst, bald in Wien, je nachdem seine Amts-
pflicht und seine zunehmende Kränklichkeit es erforderten. S^ine Berufs«
geschätte als Consistorialrach hatten sich seil dem im April 182? erfolgte«
Tode deswurdigenSuperincendencen undEonsistorialrachsI oh.Wachter
bedeucend vermehrt, doch besorgie er sie mit strenger Pünctlichkeit und
unürmüoetem Eiser, man darf behaupten mit Hintansetzung seiner Ge-
sundheil, bis an sein Lebensende. Er starb ain 25. Sept. 183l im 55.
Jahre seines Allers.— G.war als Schriflsteller den Grundsätzen einer reine»
Sitten- und Religionslehre »iil Begeisterung ohne Parthe>)suchc gefolgt
und hatte dadurch das Glück erlangt, eine sehr wohlwollende Aufnahme
und ein zahlreiches Pudlicuni unter allen Ständen und Religionsparcheyen
zu sinden. Hie meisten seiner Schriften haben wiederholt neue Orii
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie